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11 August 2010

Flugzeugabsturz Trudering am 11. August 1987




Heute ... ist er wieder, jener Tag ...
der Tag, der viel in unserer aller Leben verändern sollte.

Dienstag der 11. August 1987

An jenem Tag war ich am Abend mit einer Freundin unterwegs,
neben uns wurde über Flugzeugabstürze gesprochen.
Ich meinte noch "Ein merkwürdiges Thema, wenn man weg geht."

Es war nicht viel los in dem Pub, so fuhren noch nach Schwabing,
da standen die Strassenhändler mit ihren Zeitungen ...
und da sah ich die Schlagzeilen von allen Abendausgaben ...
Es ging um einen Flugzeugabsturz in München Trudering.
Da fiel mir das merkwürdige Gesprächsthema in dem Lokal ein.

Am nächsten Tag ... morgens um 9 Uhr rief mich Mama an,
sie weinte, immer wieder sagte sie die Worte "der Günter ... der Günter ... das Flugzeug".
Ich verstand nichts. Hatte überhaupt keine Ahnung was sie wollte ...
Ich erkllärte ihr noch "die fliegen doch erst im September in Urlaub".
Da sagte sie, "Der Bus, der Unfall in Trudering".
Erst da brachte ich alles auch das vom  vorigen Abend in Verbindung.
Ich bekam Angst, mir wurde schwindlig.

Die Worte meiner Mutter, es war nichts annähernd Vernünftiges aus ihr heraus zu bringen.
Sie erzählte etwas von 90% Verbrennungen.
Mir war sofort klar, das kann nicht sein,
dann würde er ... mein Bruder ... mein "großer Bruder" ... nein ... nein ... nein ...
Bitte nicht!!! Mehr wusste sie nicht.

Rational kann man in so einem Moment nicht handeln.
Ich ging erstmal los und kaufte mir einige Zeitungen. Ich überflog alles.
Es wurde von einem Flugzeugabsturz berichtet in den ein Linienbus verwickelt gewesen sei ...
Der Busfahrer hätte viele Leben gerettet ... ein Held ...
"Der Held von Trudering"
Da, ab da war mir klar was eigentlich passiert war.
DU warst der Busfahrer ... der Held.
Ich wollte keinen Helden, ich wollte Dich, meinen Bruder!!!

Ich hatte Angst, in den Zeitungen stand etwas von "schwerste Verbrennungen". Nichts klares, eindeutiges.
Auf Umwegen -warum ich selbst nicht darauf kam, das kann ich nur mit totaler Verwirrung erklären.
Ich habe im Krankenhaus angerufen.
Ich hatte Panik, wurde aber sofort mit dem behandelnden Arzt verbunden.
Ich erzählte ihm, was ich gehört und gelesen hätte.
Er meinte, ich solle zur Ruhe kommen,
So schlimm wie es in den Medien dargestellt würde, gehe es Dir nicht.
Plötzlich die Frage, ob ich mit Dir sprechen wolle.
Ich war fassungslos, noch eben warst Du für mich fast tot ... und jetzt ... telefonieren mit Dir, ja klar, gerne!!!
Wir haben uns unterhalten ... einige Zeit und dann sagte ich, dass ich Dich am Donnerstag besuchen würde.

Murnau ... für mich heute ein Ort ... allein das Wort ... es erfüllt mich noch immer mit Traurigkeit.
Eine Freundin meinte, ob ich jemanden hätte, der mit mir dorthin fahren würde.
Es wäre ihr gar nicht Recht, dass ich dort hin allein ... der weite Weg ... die Angst ... die Anspannung.
Aber ich bin allein ... wie so oft in meinem Leben ... ALLEIN!
Heute, im nachhinein bin ich froh, dass ich allein bei Dir war ... fast 3 Stunden mit Dir allein.
Es war wie immer, wir haben viel gelacht ..

Du sahst ganz schrecklich aus ...
Der Arzt nahm mich vor dem Besuch bei Dir zur Seite.
Er meinte, er müsse erst mit mir sprechen, sonst wäre der Schock zu groß für mich.
Ich musste erst durch eine Schleuse, grüne Kittel und dann ein Blick durch eine Glasscheibe.
Ich konnte Dich sehen aber Du mich nicht.
Ich sah Dich, die Verbrennungen ... anfangs war ich schon entsetzt.
Aber dann, Du warst wie immer, mein großer Bruder.
Die ganze Zeit, mir kam es gar nicht mehr so vor als wenn Du im Krankenhaus wärst.
Deine Verbrennungen waren mir egal ... ich liebte Dich doch so sehr!!!!
Du erzähltest von den vielen Reportern, die bei Dir gewesen sind, den Zeitungsberichten ...
Was die oft für einen "Schmarrn" schreiben. Sie legten Dir Worte in den Mund die Du so nie gesagt hast.
Viel zu schnell war die Zeit um, ich musste nach Hause, die Kinder aus dem Kindergarten abholen.
Beim gehen drehte ich mich 3x um ... noch heute weiß ich meine Worte :
"Ich komme wieder, besuche dich wieder ... bin bald wieder bei dir."

Deine Prognose war gut. Deine Frau und ich, wir telefonierten täglich.
Sie hatte sich in Murnau ein Zimmer genommen, um so oft wie möglich bei Dir sein zu können.

Ich war mit den Kindern ... meinen "Kleinen" an der Unfallstelle ... sprachlos stand ich da.
Unfassbar, dass Du aus dem Bus noch lebend raus gekommen bist.

Bus - Foto 2

Ich hab geweint ... so viele Schaulustige ... alle um zu sehen, dabei zu sein ...
den "Zauber des  Grauens" zu sehen und zu spüren.
Ich fand das unmöglich ... in der Zeitung wurde berichtet "Absturzstelle wird zum Ausflugsziel".

Am Freitag waren Mama und Deine Frau bei Dir.
Es war alles "normal" ... Du warst lustig ... ein "Gaudibursch" so wie wir Dich oft erlebt haben.
Am Abend erfuhr ich, dass Du eine halbe Stunde nach ihrem Besuch bewusstlos zusammen gebrochen seist. Ein Schock, es wäre wohl einiges zu viel für Dich gewesen. Die Reporter, der Trubel, die Fragen.
Der Schock wäre wohl wahrscheinlich gewesen. Aber wir alle konnten uns darunter nichts vorstellen.
Du konntest nur noch schwer atmen ... wurdest in einen künstlichen Tiefschlaf versetzt.
Am Montag sollte Deine Hand, an der Du die schwersten Verbrennungen hattest, operiert und Haut transplantiert werden.

Medizinisch weiß ich das alles nicht mehr im Detail ...
Sie konnten Dich an dem Montag nicht operieren, weil Deine Gerinnung nicht in Ordnung war.
Sie haben versucht Dich aufwachen zu lassen.
Aber das atmen fiel Dir wohl zu schwer.
Ich war in dieser Zeit noch 3x in Murnau ... wir durften nicht zu Dir, laut Aussage Deiner Frau.
Nicht mal Deine Mutter durfte Dich sehen.
Heute würde ich das nicht mehr so einfach hin nehmen !!!

Dir so nah zu sein und doch so fern.

Ich wollte keinen Streit, keinen Ärger ...
wie sehr ich heute bereue ...

Wie konnte sie nur?


Kommentare:

  1. Heute mal wieder Zeilen von dir, die so sehr berühren und unter die Haut gehen!
    Wieviel Leid und Schmerz kann ein Mensch ertragen?!
    Wenn ich von Verbrennungen lese, wird mir gleich ganz anders. Unser Sohn hatte sich ja im April schwere Verbrennungen zugezogen...Die Bilder sind auf einmal wieder ganz nah..und auch die Tränen kommen wieder. Ich dachte, ich hätte es verarbeitet - anscheinend aber doch noch nicht...
    Wünsche dir viel Kraft - Gott schütze dich!
    anja

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  2. Meine liebe Angelika,
    oh Gott - mit Tränen in den Augen habe ich deine Worte gelesen - das Foto vom Bus gesehen - es ist so grauenvoll - ich würde dich so gerne in den Arm nehmen - dir über´s Haar streichen -
    in solchen Augenblicken gibt es keinen wirklichen Trost - ich fühle so mit dir - es tut mir unendlich leid - ich werde für ihn beten -
    ganz liebe traurige Grüße - Ruth

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  3. Fühl dich einfach nur gedrückt....!

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  4. Liebe Angelika,
    ich wünsche Dir ganz viel Kraft
    und schicke Dir herzliche Grüße
    Traudi

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  5. Liebe Angelika
    ich muss Dir was schreiben. Mein ältester Sohn sass in dem Bus. Er ist damals eine Station zu früh ausgestiegen...weil er nicht aufgepasst hat. Er hat das Alles mitgekriegt. Wir wohnten 5 Minuten von dort weg. Er war 10 Jahre alt und blieb im Schock einfach in der Truderingerstrasse stehen. Mitten im Chaos. Wir haben ihn erst nach 3 Stunden gefunden. Die 3 Stunden kann ich niemanden beschreiben. Ihm ist nichts passiert aussen, innen schon. Es tut mir so leid, dass es Dein Bruder war. Ich drück Dich ganz fest. Viele Grüße
    Elisabeth

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  6. Liebe Elisabeth,
    mir stockte eben der Atem als ich die Zeilen von Dir las. So lange suche ich schon nach "Überlebenden" oder Angehörigen. Und irgendwie ist Dein Sohn ja auch beteiligt.

    Mit Gänsehaut und Tränen habe ich gelesen, dass Dein Sohn in dem Bus saß. Ich kann mir gut vorstellen, welche Ängste Ihr ausgestanden habt!!! Ich bin froh, dass er zu früh ausgestiegen ist!!! Sag ihm von mir ganz liebe Grüsse und Gott schütze ihn!!!
    Danke, dass Du mir das geschrieben hast!!!!

    Liebe Grüsse
    Angelika

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  7. Liebe Angelika,

    ich bin über Elisabeths Blog hier gelandet und mir fehlen die Worte, Dir hier und heute etwas tröstendes zu schreiben.
    Daher lasse ich einen stillen Gruß bei Dir.

    Antje

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  8. Es tut mir soooo unendlich leid das du ihn nicht noch einmal sehen konntest!!!
    Dein Bruder war ein ganz toller Mensch und ich weis das er dich sehr geliebt hat.
    Weis nicht was ich schreiben soll will dir eigentlich nur zeigen das ich bei dir bin in dieser Zeit und auf deiner Schulter sitze und auf dich aufpasse ich hab auch ein Taschentuch dabei
    Deine Tochter

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