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03 Juni 2020

Für die Welt warst Du ein Hund, für mich warst Du die Welt


Leider haben wir uns am Freitag den 24. April von Winnie verabschieden müssen.

Nach langer Krankheit mussten wir uns schweren Herzens dazu entscheiden, 

mit Winnie diesen traurigen Weg zu gehen.



An diesem Tag, ich war verzweifelt. Darf man das? Darf man ein Leben "so einfach" beenden? 
Wir diskutierten, wogen alles ab. Ist es zu früh, zu spät? Was tun? 

Wir entschieden uns bis Montag abzuwarten und im äußersten Notfall in die Tierklinik zu fahren. 
Ich sah ihr in die Augen ... es hieß immer "man sieht es". Ich sah nichts. 
Aber das Wochenende kommt ... wenn es schlimmer wird, müssen wir die über 90km 
mit dem leidenden Hund nach München. Will ich das wirklich? 
Sie kann kaum mehr gehen ... frisst aber noch. 
Ich hatte so viel über den "richtigen Zeitpunkt" gelesen, gehört. 
Wann ist er? Gibt es den überhaupt? Wenn sie leiden muss, wäre ich Schuld.


Wir hatten immer gesagt sie nicht leiden zu lassen. 

Aber wenn "dieser Tag" da ist, fällt es unglaublich schwer diesen Weg zu gehen, 
diese Entscheidung zu treffen. 
Nein, wir durften nicht egoistisch sein, wir brauchten eine professionelle Meinung. 
Und so ging ich zum Telefon und in dem Moment wusste ich, dass es so richtig ist. 

Ich nannte meinen Namen und die Worte "ich glaube wir sind soweit". 

Die Ärztin wollte um 12.15 Uhr kommen. 
Ich hatte also noch 2 Stunden und 15 Minuten mit Winnie.


Sie liebte Wiener Würstchen und das bekam sie nun. 

Sofort kamen die Gedanken:
"Aber sie frisst doch noch ... Noch eines?
Aber wenn ihr schlecht wird?
Wenn sie nicht mehr bleiben wird, dann wäre es egal,
dann würde ich ihr alles geben was sie will.
Aber falls sie doch bleibt, würde sie so viel nicht vertragen."
Und so blieb es bei dem einen Würstchen, das sie mit Genuss verspeist hat.


Oder ist es doch zu früh? Darf ich das wirklich tun?


Ich erzählte Winnie, wie sehr ich sie liebe. 

Dass sie loslassen darf, dass sie mir meine vielen Fehler die ich gemacht habe, bitte verzeihen soll.
Dass ich sie nie vergessen werde, 
sie mein Seelenhund ist und für immer einen Platz in meinem Herzen hat.
Ich weiß nicht mehr was ich ihr alles erzählte. 
Ich streichelte sie, saß mit einem Kissen neben ihr am Boden. 
Die Nacht vorher hatte ich schon bei ihr geschlafen,
weil wir befürchteten, dass es ihre letzte sein wird. 
Da sollte sie nicht allein sein.
Meine Tränen liefen ganz leise. Immer wieder sah ich zur Uhr, die Zeit verging so schnell. 

Ich konnte mir nicht vorstellen sie gehen zu lassen. 

Plötzlich ca. 11.30 Uhr verschlechterte sich ihr Zustand zusehends.

Nun sah ich "es" auch in ihren Augen. Sie konnte nicht mehr, wollte nicht mehr. 

Meine ganze Liebe schüttete ich nochmals über sie aus mit dem Bewusstsein, 
dass es unsere letzte gemeinsame Stunde sein wird.


Die Ärztin kam und ich fragte sie ob es zu früh sei "nein, eher ... ", mehr sagte sie nicht.


Winnie lag mit dem Kopf direkt neben mir.
Ich sagte ihr, dass sie loslassen solle, sie gehen dürfe, wir kämen zurecht ohne sie. 
Was man so redet in der Verzweiflung. 
Die Ärztin meinte "schau, dein Frauerl sagt das du gehen darfst, du hast es gleich geschafft."

So viel Traurigkeit und so viel Liebe gleichzeitig in diesem Raum.

Die letzten Minuten von Winnie behalte ich ganz tief in meinem Herzen.

Alles was wir anschließend machten, geschah rein automatisch. 

Schon so oft hatte ich darüber nachgedacht, was "dann" geschehen sollte. 
Sogar die Urne hatte ich schon ausgesucht. Wir fuhren zum Krematorium. 
Ich wollte bei der Einäscherung dabei sein - nicht möglich wegen Corona. 
"Nein, bitte nicht mit der Post senden, wir holen sie ab" sagte ich noch. 
Ich konnte mir nicht vorstellen, dass man mir Winnie in einem Postpaket überreicht.

Das auch noch in dieser Zeit, wenn das Paket verloren geht ... 

Nein, keinesfalls. Lieber wollten wir diese Fahrt in Kauf nehmen.


Am nächsten Tag ging es mir sehr schlecht, sogar mein Magen rebellierte. 

Winnie ist nicht mehr da. 
Immer wieder kam der Gedanke und kommt noch heute:
 "Was habe ich getan? 
Winnie hat sich vertrauensvoll an mich geschmiegt und ich habe sie töten lassen. 
Ich habe ihr Vertrauen missbraucht." 
Die Schuldgefühle plagen mich entsetzlich. 
Wie soll ich damit leben, dass ich verantwortlich bin,
dass meine so sehr geliebte Winnie nicht mehr da ist.

Die Tage danach waren einfach nur schrecklich. 

Was sollte ich mit mir anfangen, schon morgens beim Gang ins Wohnzimmer empfing mich eine unvorstellbare Leere. 
Keine große Aufgabe, außer Kaffee kochen:
Seit knapp 16 Jahren keine Begrüßung durch Winnie.
Das was ich 2016 seit der Diagnose  „3 Tumore“ befürchtet hatte, 
war nun eingetreten.
Am 2.4. wurde Winnie 16 Jahre alt.
Am 18.5. wäre sie 16 Jahre bei uns gewesen. Aber nun ist sie fort.


Die letzten Monate; Jahre waren ausgefüllt mit Winnie. 

Wir wollten sie nicht lang allein lassen, weil ich immer Angst hatte,
dass jeder Tage ihr letzter sein könnte.
Wegen ihren körperlichen Beschwerden konnte sie nicht mehr Treppen steigen, 
kaum ins Auto und so verbrachten wir die meiste Zeit mit Winnie daheim. 
Manche Menschen verstanden das, wenn wir Besuche abgesagt haben, manche nicht. 
Für uns war Winnie ein Familienmitglied. 
Mit keinem Lebewesen habe ich so viel Zeit verbracht wie mit Winnie. 
Sie war immer da. 
Kinder gehen in den Kindergarten, in die Schule aber unsere Haustiere sind immer da. 
Sie sind auf uns angewiesen, weil sie nur uns haben. 
Und genau so habe ich versucht, haben wir versucht uns zu verhalten und mit Winnie zu leben.
In Freud und Leid zusammen halten.


Etwa im November wurde sie inkontinent und so war ich ständig beschäftigt. 

Wir hatten uns nach 2 Tagen Versuch, gegen Windeln entschieden. 
Unsere gemeinsame Einstellung war, "ansonsten sind wir alle 3 unglücklich". 
Und so waren meine Tage ausgefüllt mit mindestens stündlichen Gassigängen und putzen.
Anfangs dachte ich „das schaffe ich nie. Das kann ich nicht.“ 
Meine Gefühls- und Gedankenwelt waren völlig durcheinander. 
Von „warum muss sie das erleben“ bis „wird schon“ war alles dabei. 
Aber, der Mensch wächst mit seinen Aufgaben, 
nach wenigen Wochen wurde das zur absoluten Routine.

Wir sprachen so manches Mal von „der Zeit danach“. 

Wie „es“ sein würde. 
Würde ich es daheim nicht aushalten, diese Ruhe, diese Stille, wollten wir Urlaub machen.
Einen Urlaub der mit Winnie leider nicht mehr möglich war. 
Unsere Skandinavienrundreise. 
Ich wollte auf alle Fälle wieder mehr schwimmen gehen. 
Wir wollten uns mit den Menschen treffen, die wir die letzten Jahre vernachlässigt haben. 
Alles nicht möglich, wegen einem Virus.

Auf  die übliche Frage,  die mir seit Jahren  gestellt wurde, 
ob ich mir  vorstellen könnte wieder einen Hund zu haben, antwortete ich: 
"Ich weiß nicht, wie ich reagieren werde, aber wahrscheinlich so schnell nicht, 
ich muss dann erst mal zu mir kommen, brauche Zeit für mich." 

Am Tag als Winnie ging, sagte ich auf diese Frage:
"Nein, wir brauchen nun Zeit zum trauern und müssen zur Ruhe kommen“.

Meine große Liebe Winnie hat uns verlassen.
In meinem Herzen ist ein Platz da wächst nichts mehr.
Aber dort hat die Liebe für Winnie ihren Platz gefunden und das seit dem 18.5.2004



Pfiade Winnie


04 Mai 2012

Besonderer Tag




Morgen ... morgen ist unser Hochzeitstag.
Ich sehe mich noch sitzen im Beerdigungsinstiut. 
In mir brannte die Frage, wann die Beerdigung sei. 
Die Sachbearbeiterin fragte mich, ob ich einen Terminwunsch hätte. 
Ich sagte nur: "Keinesfalls am 5.5. da ist unser Hochzeitstag."
Mit Tränen in den Augen sagte ich: "Den könnte ich nie mehr sorglos erleben,
wenn das der Tag der Beerdigung meiner Mama wäre." 

So wurdest Du am 6.5. beerdigt.

Am liebsten wäre ich davon gelaufen an diesem Tag.

Wir waren am Mittag beim Essen ...
Wieder mal kamen wir an und es war nichts vorbereitet.
Obwohl wir reserviert hatten, so wie damals.
Ich fühlte mich wie bei einer Wiederholung.
Genauso war es bei Papa.
Ich bekam sofort ein schlechtes Gefühl.
War ich nicht dazu fähig, die Beerdigung meiner Eltern ordentlich zu organisieren?

Wir standen bestimmt 10 Minuten in dem Raum.



Anschließend fragte ich mich, was da "vorzubereiten" war vom Personal.
Wir wurden einfach an Tischen "platziert" und das war es.

Die Messe in der Kirche war 13 Tage später ... an Deinem Geburtstag.
Am frühen Abend.
Der Pastor hat diesen Vorschlag gemacht und ich fand ihn schön.
Wir sind am Nachmittag bei uns gewesen, haben Fotos von Dir und Deiner Schwester angesehen ...
an Dich gedacht, von Dir gesprochen.
Es war viel feierlicher, viel "schöner" als die Beerdigung.
Im Mittelpunkt standest Du!!!



02 Mai 2012






Was ich wollte, liegt zerschlagen,
Herr, ich lasse ja das Klagen,
Und das Herz ist still. 
Nun aber gib auch Kraft zu tragen, 
Was ich nicht will!
(Joseph von Eichendorff)



Heute vor einem Jahr ... heute vor einem Jahr bist Du ganz leise "gegangen". 

Leise bist Du direkt neben mir eingeschlafen. 

Die Nachtschwester sagte: "Ihre Mama hat es geschafft ... sie ist gestorben." 





So weh haben mir diese Worte getan. 
Wir waren darauf "vorbereitet" und in diesem Moment war mir klar, darauf kann man sich nicht vorbereiten. 
Auch wenn man weiß, dass DAS geschieht, ist es wie eine schwarze Lawine die über einen hinweg rollt. 

Mama ... Du fehlst mir so sehr!!!
Solange ich lebe ... bist Du nicht mehr da ... 



Für immer geliebt
Es war so schwer für uns zu seh´n,
Du machst Dich auf, wirst von uns geh´n.
Du bist jetzt im Himmel und siehst zu uns runter,
Du sagst zu den Engeln:
“Seht hin, schaut hinunter:
Auch wenn es mich da unten nicht mehr gibt,
ich werde immer noch geliebt“.
(Copyright Angelika Beer)






Ewig ... Oh ja Mama, Du wirst immer noch geliebt. 
So steht es auf Eurem Stein:
Für immer geliebt.



27 April 2012

Mama ... Dein langsamer Abschied (Teil 3)







Der 27.04. war ein Mittwoch, der nächste Tag.
I
ch kam am Vormittag mit meiner „Kleinen", Deiner jüngsten Enkelin “ in die Klinik. 

Du warst nicht mehr im Zimmer. Sofort kroch wieder die Angst in mir hoch, Angst um Dich!!!

Wir gingen zum Stationszimmer. Die „zuständige Schwester“ machte uns, ohne ein Wort der Erklärung, förmlich die Tür vor der Nase zu. Wie man mit Angehörigen so umgehen kann, ist mir ein Rätsel.

Was war los, wo warst Du? Sämtliches Vertrauen hatte ich schon lange verloren. Mit dem Informationsfluss gab es, seit Du im Heim warst, immer Schwierigkeiten. Die Schwester wollte erst ihr Gespräch zu Ende führen, lief dann an uns vorbei.
Ich rief hinter ihr her, ob sie uns nicht wenigstens sagen könne, wo Du bist, was mit Dir ist. 

Keine Reaktion, keine Antwort von ihr.
In meiner Sprachlosigkeit, meinem Entsetzen und meiner Angst, sagte ich nichts.
Meine „Kleine“ wäre am liebsten hinter ihr her gelaufen.



Es gibt Momente, da muss man seine Energie für das einsetzen, was einem am wichtigsten ist.

Und jetzt, in dem Moment, warst DU für mich wichtig!!!!


***

Als nach, für uns endlos langen Minuten, die Ärztin kam, erzählte sie uns, dass Du nun auch noch –durch den Schlaganfall ausgelöst- epileptische Anfälle bekommen hättest und jetzt auf der Wachstation wärst. Wieder hatte mich niemand informiert.  Meine Kleine setzte schon an, zu fragen, warum wir keine Information erhalten hatten. Ich winkte nur ab, zu kraftlos, um auch noch eine Diskussion zu führen. 

Ich wollte nur zu Dir. Sofort gingen wir los, um Dich zu suchen.







Wir kamen in Dein Zimmer ... Ach Mama, Dich so zu sehen, zitternd ... ich kann das alles kaum beschreiben.  Pure Verzweiflung machte sich in mir breit.


***


Die Ärztin auf der Station wollte mir keine Auskunft geben. Sie müsse erst mit der  Betreuerin sprechen. Ich / wir standen da, völlig sprachlos ... als Tochter bekam ich keine Auskunft, ich fühlte mich wie „entmündigt“.

Dass ich als Tochter nicht mal benachrichtigt wurde, als Du ins Krankenhaus kamst und alle Beteiligten DAS im nachhinein auch noch als normal empfanden, darüber bin ich noch heute fassungslos. Scheinbar wird nicht nur der "Kranke" unter Betreuung gestellt, sondern die Angehörigen gleich mit. 


Kurz darauf kam die Ärztin zurück, erklärte, dass die Betreuerin gesagt hätte, man könne alles mit mir besprechen und ich solle entscheiden. Meine „Kleine“ meinte darauf: „Weil es ihr gleichgültig ist“.
Ja, es war ihr gleichgültig, wie auch bei Deinem letzten Krankenhausaufenthalt.

Nicht ein einziges Mal hat sie sich nach Dir erkundigt, empfand es nicht für nötig ihr Bedauern auszusprechen. 

Überall Monitore, die Deine Lebensfunktionen überwachten. Es beruhigte, so konnten wir sicher sein, sollte es Dir schlechter gehen, eine Veränderung eintreten, dass sofort jemand kam. Wir waren froh, dass Du nun auf dieser Station lagst.
Alle waren sehr lieb und fürsorglich. Gesprochen haben wir wenig, kaum. Wozu auch Worte? Wir hatten Angst!!!


Ich machte mir Gedanken, wie es nun weiter gehen würde. 
Sollte das jetzt Dein Leben sein?
Sooooooooooo? Würde noch eine Besserung eintreten?

Der Chefarzt sagte uns, dass leider auch noch eine Lungenentzündung hinzu gekommen sei. Man würde sehen wie Du Dich entwickelst. Ob Du wieder "ansprechbar würdest" ... die "Anfälle" nachlassen ... Du wieder, zumindest ein wenig, Interesse am Leben zeigst und daran "teilnimmst".


***

Für mich klang das alles wie eine „Wiederholung“. So etwas Ähnliches hatte ich schon mal erlebt ... Deine Organe fingen sie an zu versagen? Ich sprach es nicht aus. Am nächsten Tag wollte man entscheiden. Ich kann es heute noch kaum denken ... geschweige denn aussprechen oder schreiben ... Man wollte entscheiden über Dein Leben oder Deinen Tod.

Wer hat das Recht dazu? Wir? Die Ärzte? Durften wir DAS entscheiden?

Warum man in solchen Momenten nicht zusammen bricht, wahrscheinlich eine Abwehrreaktion des Körpers, der Seele?
Wäre es nicht barmherziger, zusammen brechen zu dürfen? Sich auszuschalten, weg zu gehen?
Einfach die Situation zu verlassen. Man kann nicht davon laufen ... vor nichts ... 

In Dir brennt immer noch ein Licht / Peter Maffay

Ja, ich fragte mich ... willst Du noch ..."Brennt in Dir noch ein Licht?"

Ich wollte Dich nicht ...nicht her geben ... nicht "Abschied nehmen".


***

Ich hatte ständig das Bedürfnis, Dich zu streicheln, Deine Hand zu halten ... bei Dir zu sein.
Ich spürte so eine große Liebe, so eine große Sehnsucht nach Nähe zu Dir. Ich versuchte Dir diese Liebe zu zeigen auf eine Weise die, so glaubte ich, nur Du verstehen würdest.
Ganz tief in mir drin ... kroch Verzweiflung hoch ... ausgesprochen habe ich meine Gedanken nicht.

Würden wir hier unsere letzten Stunden, unsere letzten Tage verbringen? 
Ich mit Dir? In diesem Zimmer?

***

Am Nachmittag kam auch Deine älteste Enkelin, um Dich zu besuchen. Wir redeten nicht viel, die Ereignisse überschlugen sich förmlich für uns. Wir mussten mit unserer Angst und unserer Sprachlosigkeit jede für sich ganz allein klar kommen. Über das was am nächsten Tag entschieden werden sollte, sprachen wir nicht. Wohl aus der Angst heraus, ES nicht auszusprechen ... das Wort ... „sterben“ nicht auszusprechen. Nicht darüber nachdenken, schon gar nicht aussprechen was schlimmstenfalls passieren könnte.

Immer wieder wurden wir nach draußen geschickt, weil Du versorgt wurdest. Beim kleinsten piepsen des Monitors zuckten wir zusammen. Du bekamst Sauerstoff und immer wieder eine Maske zum inhalieren und Medikamente, die die Anfälle unterdrücken sollten. Alles damit Du es leichter haben solltest. Was Du davon mitbekommen hast, weiß ich nicht.
Es schien so als wenn Du nichts davon bemerkt hast.

Aber ich hatte den Eindruck, als wärst Du manchmal ansprechbar.

***

Mehrmals erkundigte ich mich, wann die Visite am nächsten Tag sei. Um ca 9 Uhr wurde mir gesagt. Ich hatte Angst nach Hause zu gehen. Angst davor, dass Dein Zustand sich verschlechtert und ich wieder keine Nachricht bekäme.
Immer wieder zögerte ich das „nach Hause gehen“ hinaus.

Als wir gingen, sagte ich im Stationszimmer Bescheid, erklärte wieder,
dass ich unter allen Umständen informiert werden möchte, auch nachts.

Wie ich den Abend überstanden habe, weiß ich nicht mehr. Meine Gedanken waren ständig bei Dir. Ich hoffte noch ...
wollte gerne am nächsten Tag etwas Positives hören, etwas an das wir glauben konnten ...


Ruhe fand ich in dieser Nacht keine. Ich war besorgt, dass ich wieder nicht verständigt werden würde. Angst Dir nicht beistehen zu können ... und wiederum hatte ich Angst, was mich am nächsten Tag erwarten würde.
Welche Entscheidung getroffen würde. Am liebsten wäre ich sofort los gefahren zu Dir.

Der nächste Teil folgt ... 



26 April 2012

Niemandes Tochter mehr / Nachtrag




Sie ist da, jene Zeit ... sie jährt sich ... 
 Vor einem Jahr warst Du im Krankenhaus und ich nicht bei Dir ... 
hätte ich doch nur ...
wenn ich doch nur ... 
wäre ich doch nur ... 
Ich werde es mir nie verzeihen, dass ich Ostern nicht zu Dir ins Heim kam ... 
dann hätte ich gewusst, dass Du im Krankenhaus bist ...
Am Dienstag nach Ostern, am 26.04. habe ich erfahren, dass Du im Krankenhaus bist.
Die Tage danach ... so schlimm und doch war ich Dir niemals so nah.

1 Jahr schon?
Es fühlt sich an wie Wochen ...
Die Trauer ist da ... immer noch ... 



Waise

An Deinem Bett, wird mir plötzlich klar
und ich wollt es wäre nicht wahr,
wenn Du gehst, Du hast mich geboren,
dann habe ich das Recht auf „Kind sein“ verloren.
Dann bin ich Niemandes Tochter mehr,
beschützt mich dann noch irgendwer?
(Darf ohne meine Genehmigung nicht gewerblich genutzt, nicht vervielfältigt und auch nicht veröffentlicht werden)






Nachtrag:
Ich danke Euch sehr für Eure lieben Worte!!!
Ich scheine mich falsch ausgedrückt zu haben. 
Ich war bei meiner Mama als sie "gegangen" ist. Ich bin die letzten 4 Tage und Nächte bei meiner Mama im Krankenhaus gewesen. Sie war nicht allein an ihren letzten Tagen. Meine Töchter und mein Mann waren auch abwechselnd da. Aber ich war nach ihrer OP nicht im Krankenhaus, weil weder jemand aus dem Heim noch die Betreuerin es für nötig gefunden haben, uns von dem Krankenhausaufenthalt meiner Mama zu informieren. Eine Ärztin aus der Klinik hat mich nach 6 Tagen angerufen. Ansonsten wäre meine Mama ganz allein ... gewesen an ihren letzten Tagen und Nächten.



05 Januar 2012

Völlig überraschend ... Ich kann es nicht glauben



Wir haben uns vor vielen Jahren kennen gelernt. Es war ein knappes Jahr nachdem mein Bruder und mein Papa gestorben sind. Es war schwer für mich damals, sehr schwer. Und ER hat sehr viel mitbekommen.
Wenn es mir schlecht ging, war er für mich DA und ich für ihn. Einmal als es mir besonders schlecht ging, hat er mir ein selbst erfundenes Märchen erzählt. Dass man solche Menschen beim "weg gehen" kennen lernt, ist eher ungewöhnlich. Aber alles an unserer "Beziehung" war ungewöhnlich.

Final Countdown (Europe)
(Ich sehe Dich vor mir ... zu dieser Zeit ... wir waren noch jung ... )


Irgendwann nach einigen Monaten sagte er zu mir:
"Du hast jetzt wieder einen Bruder ...."
Er wusste was mir mein Bruder bedeutet hat, wie sehr ich ihn geliebt habe.
Ich dachte, dass das nur Worte sind. 
Aber nein, es war so ... ER war so ... ab da war ER mein Bruder. Überall hat er mich als seine Schwester vorgestellt. Das ging so weit, dass bei seiner Hochzeit ein Freund von ihm sagte: "Jetzt kenne ich Klaus schon so lange aber ich wusste nicht, dass er eine Schwester hat." 
Für meine beiden Mädels war er wie ein Onkel. Ich war sein "Schwesterherz".

Wir haben uns in den letzten Jahren nicht oft gesehen. Bei Familienfeiern war er immer eingeladen und er kam. Für ihn selbstverständlich, schließlich ist er mein Bruder und gehört zur Familie. Telefoniert haben wir und dann meistens lang. Unser letztes Telefonat war an seinem Geburtstag, wir haben bis in die Nacht geredet. Ich weiß noch sehr gut, dass er sagte "es war schön mit Dir zu ratschen ... a Ratscherl zum halt´n." 

Dann haben wir nichts mehr voneinander gehört. Aber auch das war bei uns nicht ungewöhnlich. An "besonderen Tagen" hörten wir immer voneinander. Es kam das mit meiner Mama ... ich wollte nicht mit ihm sprechen. Vor einigen Jahren war erst seine Mama gestorben und ich wollte bei ihm nichts aufrütteln. Obwohl mir oft danach war mich bei ihm einfach nur auszuweinen. 
Wir wussten beide, einer kann sich auf den anderen verlassen. 

An Weihnachten haben wir immer voneinander gehört, in den letzten Jahren bekamen wir Post von ihm ... mit einem Werbegeschenk seiner Firma. In diesem Jahr kam nichts ... ich war enttäuscht ... er hat mich vergessen. Telefonieren wollte ich nicht, ich hätte es unpassend gefunden ihm von meiner Mama an Weihnachten zu erzählen. So schickte ich ihm eine e-card. Darauf meldet er sich bestimmt, dachte ich. Am Montag schaute ich in meinen Posteingang, die Karte wurde nicht abgerufen. 
Ganz spontan rief ich am Abend bei ihm an. 

Seine Frau ging ran. Ich sagte,"ich wollte mich bei Euch melden, denn Klaus hat nicht auf meine Karte geantwortet, jetzt wollte ich hören ob bei Euch alles in Ordnung ist". Darauf : "Ich habe gewusst, dass ich jemanden vergessen habe, das tut mir so leid Angelika." Da bekam ich Angst. Sie sagte: "Der Klaus ist gestorben." Ich konnte nur noch sagen: "Nein!!!!" Immer wieder sagte ich "nein".
Ich war fassungslos ... konnte es nicht glauben ...
Wieso ... warum ... ? Wir haben kurz gesprochen. 



Wir wollen morgen miteinander zum Grab fahren. Sie hat sich mehrmals entschuldigt mich/uns vergessen zu haben. Am nächsten Tag meinte sie, sie hätte wohl noch mehr Menschen vergessen, ich wäre wahrscheinlich nicht die Einzige. Ich bin nicht böse deshalb, nur traurig, weil ich nicht bei der Beerdigung war. Diesen "letzten Gang" mit ihm ... mich zu "verabschieden" ... 


Morgen? Aber es wird nicht das gleiche sein. 






(In der Gärtnerei wurde mir erklärt "Wir sind traurig", das schreibt man nicht. Ich bin nicht "man". 
Ich habe nur gesagt: "Ich will das aber so." DUU hättest es ähnlich gemacht. In solchen Dingen warst Du auch kompromisslos.)



Ich kann es nicht glauben ... ich bin so traurig. 
Ich weine um Dich Klaus!!!  Seit Tagen ... 

Klaus
*4.4.1963   + 26.11.2011


Es ist wieder passiert:
"Es gibt Momente im Leben, da steht die Welt für einen Augenblick still.
Wenn sie sich dann weiter dreht, ist nichts mehr wie es vorher war."

Ich mag und kann es nicht glauben ... dass Du nicht mehr da bist!!!


So einige Male hast Du vom Leben einen Faustschlag ins Gesicht bekommen.
Aber Du bist immer wieder aufgestanden!
Du warst mein „Freund“, mein Bruder.
Ich habe mit Dir gelitten, wenn Du traurig warst.
DAS mochtest Du gar nicht.
Einmal sagtest Du mir: „Wenn du traurig bist, weil ich traurig bin, kann ich dir nichts mehr erzählen.
So soll das nicht sein, ich möchte das nicht.“
Ab da habe ich dir nicht mehr erzählt, wenn Deine Traurigkeit mich traurig gemacht hat.
Ich weiß, dass Du es nicht mochtest, wenn ich wegen Dir traurig war.
DU würdest es auch jetzt nicht wollen.
Aber ... ich weine ... Ich kann es immer noch nicht glauben, Du bist nicht mehr da. Du fehlst mir so sehr!!!


Einmal hast Du mich "Dragoner" genannt ... DU durftest das ... immer wieder haben wir darüber gelacht ...
Du warst kompromisslos in Deiner Meinung, grundsätzlich ehrlich..
Du hast Dich immer eingemischt, wenn Du den Eindruck hattest, jemand wird ungerecht behandelt.
Du hattest Deine Träume, manche hast Du verwirklicht.
Du hast kurze Zeit im bayrischen Oberland gelebt, für Dich das „Exil“.
Du bist wieder zurück nach München, Deine Stadt, die Du so sehr geliebt hast.
Nie wieder wolltest Du da weg. 

Nie wieder ...
Keine langen Telefongespräche mehr ...
Keine "abendlichen Gespräche" nach einer Feier ...
Keine Stunden in denen wir uns nur zugehört haben ...
Kein "Ratscherl" mit Dir ...
Keine "Sprüche" ... - die bei uns Kult sind - ... keine Sprüche mehr von Dir ...
Keine Umarmung ...

Du und ich


Wir wollten uns immer wieder treffen.
"Jetz miaß ma uns boid mal wieda sehn.", haben wir oft gesagt.
Mal in den Biergarten gehen ...
Ihr wolltet uns besuchen ... "mal ... "
Wir wollten grillen "mal" ...
Ihr wolltet mal auf einen Kaffee "vorbei" kommen ...
Wir haben all das nicht gemacht.
Dieses "mal" ist vorbei. 
Wieder Zeit vergeudet, wieder Worte nicht gesagt ...

Zu spät, wie so oft in meinem Leben ... wieder ... 

"Der Tod ordnet die Welt neu.
Scheinbar hat sich nichts geändert
und doch ist die Welt anders geworden."

(Antoine de Saint-Exupery)



Mein "Bruderherz" ... Du wirst mir immer fehlen!!! 



22 Oktober 2011

Noch einmal Deine Hände halten



Nachdem ich heute die Rechnung vom Steinmetz erhalten habe,
war fast klar, ER ist da ...
Der Stein, Euer Stein ...
Sofort wusste ich, ich muss dort hin ... schauen ob er da ist, Euer Stein.
Es ist inzwischen eine Regelmäßigkeit entstanden,
am Wochenende auf den Friedhof.


Er ist sehr schön ... Euer Stein
Sofern man SOWAS schön nennen kann ...
Jetzt hat auch Günter wieder einen Stein,
nach fast 4 Jahren hat er wieder einen Stein.

Jetzt steht da auch Dein Name ...
Mama ... es tut immer noch so weh ...
Wieder ein Stückchen mehr Wahrheit,
Dein Name auf diesem Stein ...
Ganz oben steht: "Für immer geliebt", denn: "Die Liebe bleibt"
Du fehlst mir so sehr!!!

Walzer für Dich (PUR)


Mama, ich würde so gern Deine Hände halten, wieder ... ich bereue keine Minute ... Mama ... 


So gerne würde ich mit Dir nochmal spazieren gehen, in unserem Park.


"Unser Park" war der Englische Garten. 
Ich kann mich noch an unseren letzten gemeinsamen  Spaziergang dort erinnern. 
Winnie war noch klein, sie wollte spielen, Du bist so schnell voraus gegangen.
Schon da, warst Du sehr verändert, niemals hättest Du mich mit dem Hund allein stehen gelassen. 
"Normalerweise" hättest Du den Hunden zugesehen beim spielen ...

Du hättest "Pfiade" gesagt und nicht "Ade".
Ich weiß noch mein letztes "Pfiade Mama" an Dich ... 

Mama ... ich würde gern nochmal mit Dir spazieren gehen ... 
Anders als in dem Gedicht, fällt es mir schwer "zuzustimmen", dass ES nun so ist ... 

Mama, die Liebe bleibt!!!




14 September 2011

Demenz ... Deine eigene Welt ...


Ich habe eben gelesen ...
bei Elisabeth

Wer es nicht erlebt hat, weiß nicht was DAS heißt:
Demenz - Alzheimer

Ich hab das bereits zwei mal erlebt,
bei meiner Tante und meiner Mama ...
Jahrelanger Abschied
Dein langsamer Abschied Teil1

Es ist ein jahrelanger Abschied ...
bei jedem Besuch ... 



Eigene Welt
Du lebst jetzt in Deiner eigenen Welt,
vielleicht weil Dir die heutige nicht gefällt?
Du weilst in Deiner Vergangenheit,
kommst nicht mehr mit in meine Zeit.
Du siehst die Welt mit Deinen Augen,
es tut mir weh, ich möcht es nicht glauben.
Du weißt nicht mehr wer ich bin,
trotzdem schmiegst Du Dich zu mir hin.
(Darf ohne meine Genehmigung nicht gewerblich genutzt, nicht vervielfältigt und auch nicht veröffentlicht werden)



02 September 2011

Pfiade Mama (Teil 3) ... nun bist Du fort ...








Nun bist Du fort / Jürgen Werth


Nun bist du fort 
Nun bist du fort, und nichts auf dieser Welt bringt dich zurück. Nun bist du fort.

Hätt' ich dich nicht gekannt, wär dieser Tag ein Tag wie tausende zuvor. 
Doch nun wisch ich mir ganz verschämt die erste Träne vom Gesicht. 
Nun bist du fort... Schon gut - ich weine nicht!

Du hast geglaubt an den, der selbst die Auferstehung war. 

Du hast geglaubt, und du hast oft gesagt, wenn du mal gehen mußt, gehst du zu ihm. 
Doch sag, was bleibt mir nun von dir, was ist davon schon von Gewicht? 
Nun bist du fort... Schon gut - ich weine nicht!


Ich weiß, du lebst, du bist nun frei und froh wie nie zuvor.
Ich weiß, du lebst, doch schreibst du nie mehr einen Brief, rufst nie mehr an. 


Du lebst, als wärst du tot. Ich weiß, ich weine nur um mich. 
Wie ich ihn hasse, den Verzicht! Nun bist du fort...
Schon gut - ich weine nicht!


Ich weiß nicht wie, doch hinter Wolken sehe ich ein schwaches Licht. 


Ich weiß nicht wie, doch du, ich freu mich auf einmal ganz leis für dich. 
Du weißt nun mehr als ich. 
Ach, du, ich tu dir sicher leid, wie ich hier steh im Kerzenlicht. 
Nun bist du fort...
Schon gut - ich weine nicht!


Du bist zu Haus, du gingst mir nur ein kleines Stück voraus.
Du bist zu Haus! 


Die Uhr an deinem Arm steht nun für immer still, die Zeit hat ausgedient. 
Der Tod, die Schmerzen sind vorbei.
Ich glaub, zurück willst du wohl nicht. 

Nun bist du fort... denn du lebst in Gottes Licht.
(Jürgen Werth)






Mama ... Du kennst mich ... und Du weißt, dass ich weine ...
um Dich ... 

um mich ...
um uns ....





02 August 2011

Mama ... Dein langsamer Abschied (Teil 2)



Heute ... 13 Wochen und 1 Tag ... ohne DICH!!! 


Ach Mama ... seit Wochen habe ich geschrieben ... DAS hier einzustellen, fällt mir so schwer. 
Der Beginn DEINER GESCHICHTE ... 
schwarz auf weiß ... 
Tatsache? 
Ich will nicht, dass ES Tatsache ist ... 


Ich will Dich wieder haben ... Mama ... 
Du fehlst mir so sehr!!! 






Die Liebe bleibt / Peter Maffay


***

Mama, sie haben mir nicht Bescheid gesagt, es tut mir so leid!!! 
Auf jeden Fall, hätte ich Dir beigestanden vor und nach Deiner Operation!!!
Nie ... nie werde ich mir verzeihen, nicht für Dich da gewesen zu sein!!!! 

Deine Betreuerin  .... wie beim letzten Mal ... hat sie mich nicht informiert. 
Im Nachhinein hat sie im Heim erklärt sie hätten alles richtig gemacht, SIE zu informieren. Wer dann die Angehörigen informiert ... ? 
Das Heim nicht, die Betreuerin nicht ... 
WO BLEIBEN UNSERE RECHTE???

Mama, so weit ich später erfahren habe, bist Du am Mittwoch den 20.04. gestürzt und kamst ins Krankenhaus. 
Du hattest einen Oberschenkelhalsbruch und wurdest operiert . 
Zum ersten Mal in Deinem Leben eine OP, in Deinem Alter ... 
Ich glaube nicht, dass ich dem zugestimmt hätte. 
Ich weiß nicht ...

Das Heim hat Deine Betreuerin, am 20.4.  informiert. 
Am Mittwoch vor Ostern auf ihren Anrufbeantworter gesprochen. 
Bei mir hat sich niemand gemeldet.


6 Tage später  (am Dienstag nach Ostern!!!) bekam ich am Nachmittag 
um 13.30 Uhr einen Anruf einer Ärztin aus der Klinik. 
Sie sagte, dass es Dir schlechter gehe, Du wohl in der Nacht einen Schlaganfall gehabt hättest. Du wärst am Vormittag noch ansprechbar gewesen und jetzt plötzlich so ruhig, man mache sich Gedanken. Im Krankenhaus machte  man sich Gedanken, dass Du keinen Besuch von Deinen Angehörigen bekamst, die Betreuerin und die im Heim machten sich diese Gedanken nicht!
Wie konnten sie nur ... ???




***

Noch heute bin ich dieser Ärztin dankbar, 
ohne sie ... wenn sie sich nicht "Gedanken" gemacht hätte ... 
nicht "nachgedacht hätte" ...
wer weiß ... weiter kann ich nicht denken... 
sie hat nachgedacht!!! 


Gott segne sie dafür!!! 




***


Ich fragte sie, was passiert sei, wieso Du im Krankenhaus liegst, ich wüsste davon nichts. 
Ich konnte kaum sprechen, sie erzählte mir was vorgefallen ist. 
Ich bin sofort in die Klinik gefahren ... Wie blind fuhr ich, Tränen liefen über mein Gesicht. 
So oft hatte ich schon gehört „Oberschenkelhalsbruch ... Schlaganfall“ ... 
Meine Oma ist an einem Schlaganfall gestorben, das wusste ich noch. 


Deine Betreuerin und das Heim fanden es wieder nicht für erforderlich, mich über Deinen Krankenhausaufenthalt zu informieren.
Sie nahmen mir so die Möglichkeit noch ein letztes Mal mit Dir zu sprechen, 
... noch ein einziges Mal Worte von Dir zu hören. 


Dein Tod / Kyra


Ich hatte Angst ... Angst wieder zu "verlieren" ... ich hatte doch schon ... 
die Beiden verloren ... meinen Papa ... meinen Bruder ... 

Wir waren über Ostern daheim. 
Zum ersten Mal, seit es Deine Enkelkinder gibt, gab es bei uns kein großes "Ostereier suchen" ... 
Ich wollte nicht, wusste nicht warum, ich wollte einfach nicht. 
Heute bin ich froh, wenn ich mir vorstelle, Du liegst im Krankenhaus,
wir wissen nichts davon ... und  feiern daheim, alle zusammen, Ostern ... 
Als Du das letzte Mal im Krankenhaus lagst, war ich täglich bei Dir. 
Dieses Mal ... warst Du 6 Tage allein ...
wegen ihnen ...
Ihnen ist es egal, aber ich muss DAMIT leben!!! 



***


Der Betreuer hat lt. BGB § 1901 so zu entscheiden, 
wie der Betreute selbst entscheiden würde, wenn er selbst entscheiden könnte. 
Ich weiß,  Mama Du wolltest nicht 6 Tage allein im Krankenhaus liegen.




 *** 


Als ich ankam, war ich mit Dir allein. Ich war fassungslos, als ich Dich sah. 
Ich hatte, meine Familie informiert und wusste sie kommen alle noch, doch ich fühlte mich so einsam, war so verzweifelt. 
Mehrmals rief ich sie an, wo sie denn wären, ich bräuchte sie dringend. 
Wie es immer so ist ... ausgerechnet da, ein Stau.


Mama / Christina Stürmer


Ich war so froh, als sie endlich kamen. Gesprochen haben wir kaum. 
 Wir standen zu viert um Dein Bett, Deine beiden Enkelinnen, Dein Schwiegersohn und ich. 
Die ganze Situation erschien so  „hoffnungslos“. 
Informationen hatte ich bis dahin noch wenig, wusste nur das, was die Ärztin mir am Telefon gesagt hatte. 
Ich suchte jene Ärztin, sie meinte, Du hättest einen schweren Schlaganfall gehabt.
Ich war entsetzt, bis zu diesem Moment, bis zu diesen Worten hatte ich noch Hoffnung.
Die waren mit den Worten "schwerer Schlaganfall" nun zerstört. 
Sie wollten jetzt weiter beobachten wie Du Dich entwickelst, ob Du Dich wieder erholst.
Was "zurück bleiben" würde, könnte man erst in ein paar Tagen sagen.


 Dass Du Dich von diesem Schlaganfall nie mehr erholen würdest, 
nie mehr die „Alte“ sein würdest, wusste ich bereits in diesem Augenblick.
Ausgesprochen hat diesen Gedanken von uns keiner.


***

Dich so zu sehen. Deine Augen, Du hast mich angesehen. Du hattest Augenringe und die Augen lagen ganz tief in den Höhlen. Ich hatte das Gefühl, Du wusstest wie hilflos Du da liegst. Ich musste mich schon sehr beherrschen, nicht ständig zu weinen. Ich wollte nicht, dass Du meine Tränen siehst,  Du solltest keine Angst bekommen.
Ich wollte Ruhe für Dich! 

Noch immer hatte ich die Hoffnung nicht aufgegeben, obwohl ich wusste, dass es sehr schlecht um Dich stand.


Als ich da so stand, wurde mir bewusst ... in unserer Rollenverteilung ... Du bist jetzt die "Hilflose", die die beschützt werden muss. Ich muss Dich beschützen, alles was geschieht "überwachen". 
Jetzt hatte ich das Recht auf "Kind sein" verloren. 


Ich erinnerte mich daran, wie Papa damals im Krankenhaus war, an seine "letzten Tage".
Ich wollte nicht ... dass DAS Deine letzten Tage sind. 
Aber eine Ahnung beschlich mich. 
Gleichzeitig hatte ich Angst davor, dass Du nun "SO" noch Wochen, Monate, vielleicht sogar Jahre, .... "existierst". 

Ganz tief in mir fing ich an zu beten ... um Hilfe für Dich, 
dass Du nicht leiden musst ... 
und doch gleichzeitig hatte ich diese Angst, dass Du nun "nach Hause" gehst ... 
Ich hatte Angst Dich zu verlieren, Angst dass Du mich verlässt.
Angst schon wieder jemanden gehen zu lassen, den ich liebe. 
Angst meine Mama zu verlieren ... 


Es ist "normal", dass die Eltern vor einem "gehen". 
Aber, wenn es "so weit" ist ... so weit sein könnte ...
Ganz leise liefen die Tränen ... "einfach so ... "



Halte durch / Xavier Naidoo

Wir wussten es schon lange ... irgendwann wirst Du "gehen". Sollte es jetzt so weit sein? 
NEIN!!! schrie es in mir ... 
Jetzt? Nein nicht jetzt ... 
Nie!!!




Wo lernt man so cool zu sein,
wenn man Angst hat, man verliert, was man liebt?
Wenn ich Angst hab, ich verlier, was ich lieb?

Tränen im Kissen / PUR


Ich war nicht cool, wollte noch nie cool sein ... 
Ich hatte Angst ... ich verlier was ich lieb ... 





In mir war ein Zwiespalt, gehen oder bleiben. 
Ich wollte keinesfalls, dass Du allein bist, wenn "ES" so weit ist. 
Ich drehte mich zu Dir um, hab Dir gesagt, dass ich "wieder komme". 
Als mir die Worte bewusst wurden, die ich da gesagt hatte, 
da bekam ich richtig Panik.
Diese 
Worte "Ich komme wieder, besuche Dich ... " hatte ich bei Günter und auch bei Papa gesagt. 
Und bei beiden ...  waren es meine letzten Worte an sie  ... 


Unruhe und Verzweiflung ... ergriffen Besitz von mir!
Am liebsten wäre ich geblieben ... 



Wieder einmal hinterließ ich alle meine Telefonnummern mit dem Hinweis, 
bei einer „Veränderung“, auch nachts, unbedingt verständigt zu werden.
Zuversichtlich war ich in dem Punkt nicht mehr.
Ich hatte das Vertrauen verloren, "verständigt zu werden". 



In dieser Nacht hatte ich "Tränen im Kissen" ... !!!
Ich weinte um Dich ... um die verlorene Zeit mit Dir ... 



Ich hatte panische Angst um Dich!!!!



                                                                                                                                  Der nächste Teil folgt ...