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02 August 2011

Mama ... Dein langsamer Abschied (Teil 2)



Heute ... 13 Wochen und 1 Tag ... ohne DICH!!! 


Ach Mama ... seit Wochen habe ich geschrieben ... DAS hier einzustellen, fällt mir so schwer. 
Der Beginn DEINER GESCHICHTE ... 
schwarz auf weiß ... 
Tatsache? 
Ich will nicht, dass ES Tatsache ist ... 


Ich will Dich wieder haben ... Mama ... 
Du fehlst mir so sehr!!! 






Die Liebe bleibt / Peter Maffay


***

Mama, sie haben mir nicht Bescheid gesagt, es tut mir so leid!!! 
Auf jeden Fall, hätte ich Dir beigestanden vor und nach Deiner Operation!!!
Nie ... nie werde ich mir verzeihen, nicht für Dich da gewesen zu sein!!!! 

Deine Betreuerin  .... wie beim letzten Mal ... hat sie mich nicht informiert. 
Im Nachhinein hat sie im Heim erklärt sie hätten alles richtig gemacht, SIE zu informieren. Wer dann die Angehörigen informiert ... ? 
Das Heim nicht, die Betreuerin nicht ... 
WO BLEIBEN UNSERE RECHTE???

Mama, so weit ich später erfahren habe, bist Du am Mittwoch den 20.04. gestürzt und kamst ins Krankenhaus. 
Du hattest einen Oberschenkelhalsbruch und wurdest operiert . 
Zum ersten Mal in Deinem Leben eine OP, in Deinem Alter ... 
Ich glaube nicht, dass ich dem zugestimmt hätte. 
Ich weiß nicht ...

Das Heim hat Deine Betreuerin, am 20.4.  informiert. 
Am Mittwoch vor Ostern auf ihren Anrufbeantworter gesprochen. 
Bei mir hat sich niemand gemeldet.


6 Tage später  (am Dienstag nach Ostern!!!) bekam ich am Nachmittag 
um 13.30 Uhr einen Anruf einer Ärztin aus der Klinik. 
Sie sagte, dass es Dir schlechter gehe, Du wohl in der Nacht einen Schlaganfall gehabt hättest. Du wärst am Vormittag noch ansprechbar gewesen und jetzt plötzlich so ruhig, man mache sich Gedanken. Im Krankenhaus machte  man sich Gedanken, dass Du keinen Besuch von Deinen Angehörigen bekamst, die Betreuerin und die im Heim machten sich diese Gedanken nicht!
Wie konnten sie nur ... ???




***

Noch heute bin ich dieser Ärztin dankbar, 
ohne sie ... wenn sie sich nicht "Gedanken" gemacht hätte ... 
nicht "nachgedacht hätte" ...
wer weiß ... weiter kann ich nicht denken... 
sie hat nachgedacht!!! 


Gott segne sie dafür!!! 




***


Ich fragte sie, was passiert sei, wieso Du im Krankenhaus liegst, ich wüsste davon nichts. 
Ich konnte kaum sprechen, sie erzählte mir was vorgefallen ist. 
Ich bin sofort in die Klinik gefahren ... Wie blind fuhr ich, Tränen liefen über mein Gesicht. 
So oft hatte ich schon gehört „Oberschenkelhalsbruch ... Schlaganfall“ ... 
Meine Oma ist an einem Schlaganfall gestorben, das wusste ich noch. 


Deine Betreuerin und das Heim fanden es wieder nicht für erforderlich, mich über Deinen Krankenhausaufenthalt zu informieren.
Sie nahmen mir so die Möglichkeit noch ein letztes Mal mit Dir zu sprechen, 
... noch ein einziges Mal Worte von Dir zu hören. 


Dein Tod / Kyra


Ich hatte Angst ... Angst wieder zu "verlieren" ... ich hatte doch schon ... 
die Beiden verloren ... meinen Papa ... meinen Bruder ... 

Wir waren über Ostern daheim. 
Zum ersten Mal, seit es Deine Enkelkinder gibt, gab es bei uns kein großes "Ostereier suchen" ... 
Ich wollte nicht, wusste nicht warum, ich wollte einfach nicht. 
Heute bin ich froh, wenn ich mir vorstelle, Du liegst im Krankenhaus,
wir wissen nichts davon ... und  feiern daheim, alle zusammen, Ostern ... 
Als Du das letzte Mal im Krankenhaus lagst, war ich täglich bei Dir. 
Dieses Mal ... warst Du 6 Tage allein ...
wegen ihnen ...
Ihnen ist es egal, aber ich muss DAMIT leben!!! 



***


Der Betreuer hat lt. BGB § 1901 so zu entscheiden, 
wie der Betreute selbst entscheiden würde, wenn er selbst entscheiden könnte. 
Ich weiß,  Mama Du wolltest nicht 6 Tage allein im Krankenhaus liegen.




 *** 


Als ich ankam, war ich mit Dir allein. Ich war fassungslos, als ich Dich sah. 
Ich hatte, meine Familie informiert und wusste sie kommen alle noch, doch ich fühlte mich so einsam, war so verzweifelt. 
Mehrmals rief ich sie an, wo sie denn wären, ich bräuchte sie dringend. 
Wie es immer so ist ... ausgerechnet da, ein Stau.


Mama / Christina Stürmer


Ich war so froh, als sie endlich kamen. Gesprochen haben wir kaum. 
 Wir standen zu viert um Dein Bett, Deine beiden Enkelinnen, Dein Schwiegersohn und ich. 
Die ganze Situation erschien so  „hoffnungslos“. 
Informationen hatte ich bis dahin noch wenig, wusste nur das, was die Ärztin mir am Telefon gesagt hatte. 
Ich suchte jene Ärztin, sie meinte, Du hättest einen schweren Schlaganfall gehabt.
Ich war entsetzt, bis zu diesem Moment, bis zu diesen Worten hatte ich noch Hoffnung.
Die waren mit den Worten "schwerer Schlaganfall" nun zerstört. 
Sie wollten jetzt weiter beobachten wie Du Dich entwickelst, ob Du Dich wieder erholst.
Was "zurück bleiben" würde, könnte man erst in ein paar Tagen sagen.


 Dass Du Dich von diesem Schlaganfall nie mehr erholen würdest, 
nie mehr die „Alte“ sein würdest, wusste ich bereits in diesem Augenblick.
Ausgesprochen hat diesen Gedanken von uns keiner.


***

Dich so zu sehen. Deine Augen, Du hast mich angesehen. Du hattest Augenringe und die Augen lagen ganz tief in den Höhlen. Ich hatte das Gefühl, Du wusstest wie hilflos Du da liegst. Ich musste mich schon sehr beherrschen, nicht ständig zu weinen. Ich wollte nicht, dass Du meine Tränen siehst,  Du solltest keine Angst bekommen.
Ich wollte Ruhe für Dich! 

Noch immer hatte ich die Hoffnung nicht aufgegeben, obwohl ich wusste, dass es sehr schlecht um Dich stand.


Als ich da so stand, wurde mir bewusst ... in unserer Rollenverteilung ... Du bist jetzt die "Hilflose", die die beschützt werden muss. Ich muss Dich beschützen, alles was geschieht "überwachen". 
Jetzt hatte ich das Recht auf "Kind sein" verloren. 


Ich erinnerte mich daran, wie Papa damals im Krankenhaus war, an seine "letzten Tage".
Ich wollte nicht ... dass DAS Deine letzten Tage sind. 
Aber eine Ahnung beschlich mich. 
Gleichzeitig hatte ich Angst davor, dass Du nun "SO" noch Wochen, Monate, vielleicht sogar Jahre, .... "existierst". 

Ganz tief in mir fing ich an zu beten ... um Hilfe für Dich, 
dass Du nicht leiden musst ... 
und doch gleichzeitig hatte ich diese Angst, dass Du nun "nach Hause" gehst ... 
Ich hatte Angst Dich zu verlieren, Angst dass Du mich verlässt.
Angst schon wieder jemanden gehen zu lassen, den ich liebe. 
Angst meine Mama zu verlieren ... 


Es ist "normal", dass die Eltern vor einem "gehen". 
Aber, wenn es "so weit" ist ... so weit sein könnte ...
Ganz leise liefen die Tränen ... "einfach so ... "



Halte durch / Xavier Naidoo

Wir wussten es schon lange ... irgendwann wirst Du "gehen". Sollte es jetzt so weit sein? 
NEIN!!! schrie es in mir ... 
Jetzt? Nein nicht jetzt ... 
Nie!!!




Wo lernt man so cool zu sein,
wenn man Angst hat, man verliert, was man liebt?
Wenn ich Angst hab, ich verlier, was ich lieb?

Tränen im Kissen / PUR


Ich war nicht cool, wollte noch nie cool sein ... 
Ich hatte Angst ... ich verlier was ich lieb ... 





In mir war ein Zwiespalt, gehen oder bleiben. 
Ich wollte keinesfalls, dass Du allein bist, wenn "ES" so weit ist. 
Ich drehte mich zu Dir um, hab Dir gesagt, dass ich "wieder komme". 
Als mir die Worte bewusst wurden, die ich da gesagt hatte, 
da bekam ich richtig Panik.
Diese 
Worte "Ich komme wieder, besuche Dich ... " hatte ich bei Günter und auch bei Papa gesagt. 
Und bei beiden ...  waren es meine letzten Worte an sie  ... 


Unruhe und Verzweiflung ... ergriffen Besitz von mir!
Am liebsten wäre ich geblieben ... 



Wieder einmal hinterließ ich alle meine Telefonnummern mit dem Hinweis, 
bei einer „Veränderung“, auch nachts, unbedingt verständigt zu werden.
Zuversichtlich war ich in dem Punkt nicht mehr.
Ich hatte das Vertrauen verloren, "verständigt zu werden". 



In dieser Nacht hatte ich "Tränen im Kissen" ... !!!
Ich weinte um Dich ... um die verlorene Zeit mit Dir ... 



Ich hatte panische Angst um Dich!!!!



                                                                                                                                  Der nächste Teil folgt ... 

Kommentare:

  1. Jeder sucht seinen eigenen Weg um aus der Verzweiflung raus zu kommen - allen Kummer schriftlich festzuhalten hilft oft recht gut - ich würde dir gerne helfen.... aber das ist eine Zeit, wo man leider relativ alleine durch muss...
    ich wünsche dir, dass du dir selbst Zeit gibst - so viel zu brauchst - und dann wieder Zuversicht in dir spürst - trotz allem...
    herzlichst - Ruth

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  2. Ach, wie traurig!
    Darüber mag man gar nicht nachdenken. Meine Mutti ist ja auch schon alt und krank und man weiß auch, daß der Tag einmal kommen wird und doch verdrängt man das. Meine Angst davor, daß es einmal so sein wird, ist auch sehr groß! Und wie es "danach" weitergehen soll/wird.
    Manches muß man ganz allein durchleben, da gibt es niemand, keinen Menschen, außer dem lieben Gott, der einem helfen kann . . .

    Ich wünsche Dir, daß Deine Tränen irgendwann getrocknet sind und daß Du dann wieder nach vorn schauen kannst und Deine Mama einfach in liebevoller Erinnerung behalten kannst.

    Ganz herzlich
    Sara

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  3. Liebe Angelika,

    siehst Du, nun hast Du mich inspiriert mit den Worten in Deinem Kommentar, die von einem hellen Punkt und von Gott sprechen. Das meinte ich mit meinem Text: Wo Menschen von Gott sprechen, da geht ein Licht auf... :-)

    Auch wenn Du immer noch voller Trauer bist, so weißt Du, wer letztlich ALLES ist, nämlich Gott. Der helle Punkt, den Du in der Kapelle wahrgenommen hast, war die Wahrheit, die kurz in Deinem gegenwärtigen Dunkel aufgeleuchtet hat. Die Wahrheit, die in dieser Welt oft hinter einem Schleier von Sorge, Not, Verlust, Schuldgefühl, Angst, Einsamkeit usw. verborgen ist. Es ist gut, daß Du dieses Wissen um diese Wahrheit - Gott - hast. Halte an ihm fest.

    Du sprichst in Deinem Text selbst von "nach Hause" gehen. Somit weißt Du irgendwo in Dir, daß der Tod kein Ende ist, nur die Beendigung eines Lern-Durchgangs auf dieser Erde. Meine Mutter ist vor über 3 Jahren weitergegangen, ich war auch nicht bei ihr, als sie starb, da ich seit einigen Jahren über 500 km entfernt von meiner Familie lebe.
    Vlt hast Du schon Bücher über Nahtoderfahrungen gelesen? Die sind sehr interessant und aufschlußreich. Ich denke, sie könnten Dir eine Hilfe sein. Ich selbst hatte auch schon eine Nahtoderfahrung mit Anfang 20. Seitdem weiß ich, daß es zwei Welten gibt: Die scheinbar reale, materielle Welt und die geistige Welt, die gleichzeitig existiert (und ewig existieren wird).

    Liebe Grüße sende ich Dir!
    Iris

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  4. Liebe Angelika !

    Ich musste deinen Post mehrmals lesen und mir fehlen immer noch die Worte ....

    Fühl dich gedrückt *UMARMUNG*

    Ganz liebe ELCH-Grüsse vom ELCHfuzzi

    PS: Vielen lieben Dank für dein Willkommenheissen !

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  5. Meine Mama ist nun seid 13 Jahren nicht mehr bei mir.Der Schmerz ist weniger geworden,aber immer noch da.
    Ich drück dich
    LG
    Nicole

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  6. Meine liebste Angelika,
    ...

    wäre es jetzt nur ein Buch,ein Bestseller der Tragödien...etwas das man liest..einen Beschäftigt,gut geschrieben und fesselnd aber eben NICHT WAHR ist..wäre es das, ich würde nun sagen,der Autor ,hat so unbeschreiblich niedergeschrieben,so berührt...aber,,es ist Gewissheit,traurige und so schmerzliche Wahrheit..DU bist kein Autor..keine Geschichtenschreiberin..Du bist die die zurück geblieben ist,den Schmerz ertragen und tragen muss...leben muss und bitte auch sollst--den Weg zurück ins Lachen...ins Licht finden musst--
    ich bin für Dich da--hörst Du---es tut mir unendlich Leid --so wahnsinnig leid für Dich--für den Menschen der soviel Herzschmerz ertragen muss----für die Garnny die doch Glück verdient hat

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