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19 Mai 2010

Jahrelanger Abschied

Ich bin wieder daheim ...
Was für ein Tag ... und dabei ist er eben mal zur Hälfte vorbei.
Wir haben meine Mutter besucht,
meine Tochter hat extra Kuchen für ihren Geburtstag gebacken.
Ich habe ihr einen Strauß Flieder mitgebracht, ich dachte sie freut sich,
erinnert sich ...


Die Begrüßung von Seiten meiner Mutter fiel ziemlich „kühl“ aus ...
Ein kurzes „streicheln übers Gesicht“ und ich dachte, sie freut sich.
Ab da ... der Blick von ihr nach rechts, weg von uns.
Wir saßen, bzw. ich stand links.
Kein Wort von ihr... keine Antwort auf unsere Fragen ...
nur dieser Blick, den ich noch von Kindertagen kenne,
der sagt „lass mir meine Ruhe“.

Abwehrende Handbewegungen ... auch die kenne ich ... sie heißen:
„Geh weg ... ich will meine Ruhe“.
Der Besuch dauerte nicht lang ... ich war so froh, dass meine Tochter dabei war.
Beim verabschieden ... wieder eine abwehrende Handbewegung ...
„hau ab ... geh doch ...,. „ so was in der Art soll sie bedeuten.

Erkennt sie mich? Weiß sie wer ich bin?
Meint sie was sie tut wirklich?

Es tut weh ... jedes Mal ... jeder Besuch ...

Es ist ein langes Abschied nehmen ... immer wieder, jedes Mal ...


Es ist jedes Mal ein "immer weiter weg von uns" ... nicht wissen ... wie wird es nächstes Mal sein?
Wird sie mich noch erkennen?
Sie ist nicht mehr da ...
Egal wie sie früher war,
es tut weh ... sie so zu sehen!!!

Und jedes Mal vermisse ich ihn so sehr ... !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Er hatte in solchen Situationen die passenden Worte ...
Er könnte mit der Situation besser umgehen...
Er hatte von uns die beste Beziehung zu ihr ...
Du fehlst mir so sehr!!!




So viele Menschen in dem Aufenthaltszimmer,
alle schauen vor sich hin,
keine Worte ... keine Blicke ...
manchmal Worte von "Fremden"
und ein "nicht verstehen" ...

Tränen ...   nur nicht weinen,
nicht vor ihr ...
später ...

....


Aber sie spricht nicht mehr,
nicht mehr mit mir.


Demenz ... ein kleines Wort.
Aber für die die es betrifft, für sie steckt darin so viel Verzweiflung,
so viel Traurigkeit und so viel Angst darin.

Je hilfloser ein Lebewesen ist,
desto größer ist sein
Anspruch auf menschlichen Schutz,
vor menschlicher Grausamkeit.
Gedanken von Mahatma Gandhi



Tränen ...

Kommentare:

  1. Deine Zeilen berühren mich sehr!
    Ich wünsche dir die Kraft, den Schmerz, deine Sehnsucht und deine Trauer auszuhalten!
    "KEINEN WEG LÄSST GOTT UNS GEHEN, DEN ER NICHT SELBST GEGANGEN WÄRE UND AUF DEM ER UNS NICHT VORAUSGINGE" (Dietrich Bonhoeffer)
    Sei behütet,
    anja

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  2. Ach, du Liebe, das tut mir sehr leid für dich! Vielleicht ist es dir ein kleiner Trost, wenn ich dir sage, dass demente Menschen wirklich in einer anderen Welt leben, und man darf ihre Reaktionen nicht 1:1 zu unserem "normalen" Verhalten deuten; man darf sie nicht mehr wie bei einem gesunden Menschen intepretieren. Aber natürlich verstehe ich, dass es weh tut bis ins Herz, seine Mutter so sehen zu müssen. Trotzdem: Es ist sehr schön und lieb von dir, dass du sie besuchst, dich in ihr Leben einbringen möchtest und dich um sie bemühst. Deine Schwester KANN das vielleicht einfach nicht, eventuell auch darum, weil es ihr so weh tut. Es können nicht alle Menschen gleich gut mit solchen Problemen umgehen. Ich bin mir sicher: Deine Mutter hat euren Besuch nicht als unangenehm empfunden oder euch sogar "weghaben" wollen. Vielleicht war sie nur gerade in einer Phase ihres Daseins, in der sie zu keinen anderen Regungen fähig war....
    Meine Liebe, ich wünsche dir Kraft, mit der Situation umzugehen, sie anzunehmen und geschehen zu lassen. Denn ändern wirst du sie nicht können; versuch aber, dich nicht dadurch aus der Bahn werfen zu lassen, und noch soviel für deine Mutter zu tun, wie es für dich und für sie gut ist.
    Ganz liebe Grüsse,
    ANDREA

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  3. Liebe Angelika,
    da wir ein Sanitätshaus in unserer Stadt haben.. kann ich sehr mit dir mitfühlen.. denn täglich habe ich mit Angehörigen zu tun... die dieses Leid mit dir teilen.. ich umarme dich gaaanz doll.... es tut mir unendlich leid.. gggglg Susi

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  4. Liebe Angelika,

    wir habe ähnliche Situationen auch in der Familie erlebt. Mein Onkel(leider verstorben) war auch betroffen. Für meine Tante war das ganz schrecklich...

    Ich drück dich ganz, ganz doll
    Sonnige Grüße
    Eva

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  5. Liebe Angelika,

    über Mrs. Bumblebee bin ich hierhergekommen und es tut mir sehr leid für Dich und Deine Mutter. Andrea hat völlig recht, Demenzkranke leben völlig in ihrer eigenen Welt, das Kurzzeitgedächtnis läßt immer stärker nach, sie leben in der Vergangenheit und irgendwann verläßt sie auch die Sprache. Ich bin Altenpfelgerin auf einer Demenzstation und erlebe täglich alle Stadien der Demenz. Glaub mir, Deine Mutter ist sich ihres Verhaltens nicht bewußt und ganz sicher wollte sie Dir nicht wehtun und Dich wegschicken. Es braucht sehr viel Verständnis, Geduld und Liebe, um mit Demenzkranken umzugehen und nicht jedem ist das gegeben (siehe Schwester). Bei uns lebt ein Mann, der sogar sehr aggressiv und tätlich gegen uns wird; nur bei mir nicht, denn ich habe über meine Hunde einen Zugang zu ihm gefunden. Hat Deine Mutter vielleicht bestimmte Musik geliebt, oder Tiere? Beides kann ein wunderbares Mittel sein, um die Mauer des Schweigens zu durchbrechen und einen (vielleicht nur kurzen Moment lang, aber immerhin) Zugang zu finden.
    Ich wünsche Dir sehr viel Kraft und denke an Dich.

    Ganz liebe Grüße,
    Tanja

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  6. Liebe Angelika,

    es ist wirklich eine schwere Arbeit, sowohl körperlich (ich hebe Leute, die größer und schwerer sind als ich) als auch physisch. Physisch vor allem, wenn ich jemanden leiden sehe und nicht wirklich etwas tun kann, so gerne ich das auch möchte. Ich mag alle meine Leutchen, einige aber seeehr. Und mache mir deshalb auch Sorgen, aktuell gerade um einen ganz lieben Mann, der schwer krank ist und bei dem jeder Tag der letzte sein kann. Ich wache nachts schweißgebadet auf und habe Angst es könnte etwas passiert sein und würde am liebsten sofort hinfahren. Es ist keine Arbeit, die man nach 8 Stunden hinlegt und dann in den Feierabend geht - man nimmt es mit und es läßt einen nicht los. Aber ich liebe meine Arbeit über alles und ich weiß, daß ich etwas sinnvolles tue, wenn ich die unzugängliche Frau X. zum lachen bringe, Frau Y. zigmal am Tag trockenlege und Frau Z. einfange, weil sie sich orientierungslos mal wieder auf den Weg nach Hause machen will. Wenn ich Frau X. beim Essen bei jedem Löffel gut zurede, Herrn Y. zumindest jeden 3. Tag dazubringe seine Medikamente zu nehmen und Frau Z. mich an sich drückt, mich anstrahlt und mir ein Küßchen gibt, wenn ich sie abends ins Bett bringe. Das rührt mich sehr.
    Man braucht sehr viel Geduld, Einfühlungsvermögen, Kraft und Liebe und wenn ich das nicht hätte, wäre ich auch völlig fehl am Platze.
    Ich liebe meine Leutchen und würde so manchen gerne mit nach Hause nehmen, weil sie oft auch wirklich zuckersüß sind.
    Weh tut auch mir, wenn mir völlige Ablehnung, ja sogar Haß entgegenschlägt, aber man (ich)darf das nicht persönlich nehmen.
    Gerade für die Angehörigen ist es furchtbar zu sehen, wie der geliebte Mensch immer weniger Emotionen zeigt, sich immer mehr zurückzieht, nicht mehr erreichbar zu sein scheint. Doch ich versichere Dir, auch bei diesen Menschen gibt es immer wieder Momente, aus denen sie in die Wirklichkeit zurückfinden.
    Abends bringe ich u.a. eine alte Dame ins Bett, die eigentlich gar nicht mehr spricht. Und doch sah sie mich vor kurzem an und sagte gebieterisch "Kuß". Ich gab ihr ein Küßchen auf die Wange und lächelte sie an und sie sagte völlig folgerichtig "Gute Nacht". Das ist einfach nur schön, so schön.

    Versuche es doch beim nächsten Besuch wirklich mal mit Musik, ich kanns nur empfehlen.

    Hab viel Kraft für Deine Mutter und auch für Dich,

    es drückt Dich ganz lieb,
    Tanja

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  7. Liebe Angelika,
    auch mich hat dein Post sehr berührt. Es tut mir so sehr leid für dich und auch für deine Mutter. Es macht einen stumm und verzweifelt, davon zu lesen. Nichts tun können ist das Schlimmste. Vielleicht fühlt sie doch innen drin, dass du bei ihr bist und sie lieb hast. Leider enden hier unsere Möglichkeiten - und wir müssen uns dreinschicken - obwohl es so sehr schmerzt - ich wünsche dir von ganzem Herzen Kraft - lass dich in Gedanken in den Arm nehmen - denk an die schönen Zeiten mit ihr - und versuch anzunehmen, dass sie nun in einer anderen Welt lebt - bis ein Höherer sie erlöst und zu sich nimmt - ganz liebe Grüße - Ruth

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  8. Oh liebe Angelika, was ich hier lese berührt mich sehr und es tut mir sooo leid für Dich, dein Leben ist schon schwer genug und Du hast so viele Lasten zu tragen, aber lass es nicht so an Dich ran... ich weiss das kann man ganz leicht sagen, aber gerade weil Du soviel zu tragen hast, lass es nicht zu das Du davon auch noch Alpträume bekommst und somit nicht nur tags sondern auch nachts noch davon verfolgt wirst! Deine Mutter kann leider nichts dafür, sie ist praktisch in sich selbst gefangen, auch wenn sie das nicht möchte! Das ist meine Art es zu erklären und warum darfst Du nicht in ihrer Gegenwart weinen, Du bist ihre Tochter?? Du bist stark auch wenn Du weinst denn damit zeigst Du Ihr doch deine wahren Gefühle?? Bitte lass Dich nicht unterkriegen, ich wünsche Dir die Kraft die Du brauchst und drück Dich ganz herzlich!!
    Marlies

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  9. Hallo Angelika,
    das ist alles ziemlich traurig. Ich gehe im Moment auch durch ein Tal der Tränen. Wir dürfen den Kopf nicht hängen lassen und uns mit etwas SCHÖNEM beschäftigen. Deshalb habe ich etwas für dich. Schau doch mal vorbei.
    GLG
    Annelie

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  10. Liebe Angelika,
    ich wünsche Dir ganz viel Kraft und Zuversicht.

    Liebe Grüße schickt Dir Traudi, die Deine Worte sehr berührt hat

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  11. Meine liebe Angelika,

    ich bin in Gedanken bei dir und hoffe, du hast die nötige Kraft für all deine Sorgen. Es tut mit unendlich leid, dass du solche Sorgen hast.

    Fühl dich lieb umarmt
    LG shino

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  12. Hallo
    meine Oma hat auch Demenz. Meine Mama leidet genauso darunter wie du. Ich weiss wie schlimm es ist. Fühl dich bitte ganz doll gedrückt!!!
    Lg Petra

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