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15 Dezember 2010

Glaube mir ... ich hab Dich lieb!



Heute ist er wieder, jener Tag, es wiederholt sich ... und immer wieder ist es doch so gegenwärtig ...

Du warst nicht mehr da. 
So viele Jahre hatte ich Angst davor, sogar oft geträumt, dass Dir etwas passiert, Du krank sein würdest. 
Und plötzlich war er da, jener Tag und es ist schlimmer als man es sich vorstellt.

Es schien Dir besser zu gehen in diesem Jahr. Wir hatten Hoffnung, haben wahrscheinlich auch verdrängt. 
Und nachdem das Unbegreifliche am 23.August passiert ist, war ich so mit mir selbst beschäftigt. 
Und Du ... ich glaube ab diesem Tag hast Du Dich aufgegeben.
Und ich habe es übersehen!


Es war ja nicht das Einzige was in diesem Jahr mein Leben auf den Kopf gestellt hat. 
Die Trennung, die Fortbildung ... mit Deinen „Madl´n“ allein.

Niemand hat darüber nachgedacht, dass auch Du leidest, dass auch Dir sein Tod nahe geht.
Alle haben nur an Mama gedacht. Es war ihr Sohn und Du warst „nur“ der Stiefvater. 
Du hast ihn geliebt. 
Am 28.8. bei der Beerdigung habe ich das zum ersten Mal verstanden. 


Aber auch ich habe nicht an Dich gedacht. 
Ich habe nicht gedacht, dass Du so „mitgenommen“ bist. 
Nicht daran, dass Du so krank warst. Ich hab es wohl gewusst aber nicht gesehen. 
Ich war zu sehr gefangen in meinem eigenen Schmerz, meinem eigenen Leben , das sich in diesem Sommer so sehr verändert hatte. 
Ich war damit beschäftigt, den Tod meines Bruders zu verkraften.
Es überhaupt zu glauben, dass das Wahrheit ist.


Ich habe mich nicht um Dich gekümmert. Nicht bemerkt, dass es Dir immer schlechter geht. 
Ich war so eingesperrt in mir selbst. 
Hatte zu tun, mit den beiden Mädels, mit mir und dann noch diese Fortbildung, 
die ich zu einer Zeit geplant hatte, als ich noch „in der Spur“ lief. 
Ich wollte sie doch auch machen, wollte, dass Du stolz auf mich bist. 
Und dabei habe ich Dich übersehen ... nicht bemerkt ... wie sehr Du auf mich gewartet hast.


Verzeih mir bitte Papa!!!!

Du warst für mich, der Ruhepol in meinem Leben.
Mein Tröster, den ich angerufen habe, wenn ich Probleme hatte. Und ich hatte viele.
Ich wusste, Du bist mein Fels in der Brandung.



Ich habe Dich im Stich gelassen.
Dafür gibt es keine Entschuldigung.

Als es fast zu spät war, als es Dir schon sehr schlecht ging, wurden mir Vorwürfe gemacht. 
Nein, nicht von Dir, niemals von Dir, Du hättest nie etwas gesagt!!! 
Mama erzählte mir, dass Du mehrmals gefragt hättest, warum ich nicht komme. 
Wieso ich Euch nicht besuche.

Mir wurde das auch später noch häufig vorgeworfen. 
Noch heute höre ich den Satz Deiner Schwester in mir  „du kommst ja immer zu spät“. 
Sie und ihr Mann sie wollten 4 Tage vor Deinem Tod nicht glauben, wie schlecht es um Dich steht. 
Haben mir bei dem Telefonat nicht geglaubt, dass sie Dich jetzt besuchen müssten, wenn sie Dich noch mal sehen wollen. 
Ich hatte ihnen erzählt, dass ich mit dem Arzt gesprochen hätte.
Wirklich geglaubt haben sie mir nicht. 
Sie waren entsetzt als sie Dich dann gesehen haben. 

Deine letzten Tage ... ich war so viel bei Dir wie ich konnte. Von morgens bis abends.
Es war so schlimm zuzusehen, wie Du förmlich „verschwindest“.
Deine Schmerzen, Du warst „unleidlich“, teilweise auch ungerecht, was ich von Dir überhaupt nicht kannte. 
Ich weiß noch jenen Vorfall mit den Tabletten. 
Ich sollte Dir Tabletten besorgen ... wollte aber doch bei Dir sein.
Jede Minute die möglich war wollte ich mit Dir verbringen.
Wahrscheinlich dachte ich, so etwas noch nachholen zu können. 

Also bin ich zu einer Krankenschwester gegangen. 
Sie gab mir sofort Schmerztabletten für Dich, weil es ... Du solltest bekommen was Du wolltest ... 
Ich kam zurück, war so stolz Dir zumindest jetzt helfen zu können. Dir einen Wunsch erfüllen zu können. 
Du hast mich förmlich „zur Schnecke gemacht“. Das warst Du nicht, so kannte ich Dich nicht. 
Alle standen da, Deine Schwester, ihr Mann, wir waren an jenem Tag zu fünft an Deinem Bett. 
Und alle haben es gehört. Du wolltest die Tabletten nicht von der Klinik, weil Du dachtest die Ärzte gäben Dir dann später keine mehr. 
Du wusstest nicht, oder wusstest Du doch und wolltest es uns nicht merken lassen? 
... dass sie Dich aufgegeben hatten. 
Mir kamen durch Deine Worte die Tränen, ich wollte nicht, dass Du siehst, dass ich wegen Dir weine. 
Bin raus gegangen, ganz langsam. 
Mama kam hinter mir her. 
Sie sagte „reg dich nicht auf, er weiß nicht dass er dir damit weh tut. 
Er hat Schmerzen und wird dadurch ungerecht.“ 
Sie sagte Du hattest gefragt was ich hätte.
Da meinte Mama „die ist raus, weil sie so lachen muss, weil du so schimpfst.“ 
Ich war und bin ihr noch heute dankbar dafür.

Noch heute muss ich bei dem Gedanken an diese "Geschichte" lächeln.

Es ging so schnell ... Täglich war etwas anderes.
Sogar die Ärzte waren über Deinen raschen „Verfall“ überrascht. 
Am Donnerstag den 10. sagten sie mir, dass es wahrscheinlich noch einige Monate so gehen würde, 
Du aber nicht mehr nach Hause kämst

Aber ... ich glaube, Du wolltest einfach nicht mehr.
Das mit Günter ... war zu viel für Dich.


Schon am nächsten Tag rief mich der Arzt an, ich solle kommen, Dir ginge es zusehend schlechter. 
An diesem Tag hätte ich um 10 Uhr eine Prüfung schreiben sollen..... ich bin um 8 Uhr bei Dir in der Klinik gewesen. 
Du solltest gerade zum Augenarzt gebracht werden. Aber Dir galt nur die Sorge was mit meiner Prüfung ist. 
Es wurde festgestellt, dass Du auf dem einen Auge bereits blind bist.. Dass sie nicht wissen wie lange noch ... vielleicht einige Wochen ... 
es war  Freitag, der 11. Dezember!!!
Die Prüfung habe ich an diesem Tag nicht geschrieben. 
Ich bin noch zur Schule gefahren, aber dort brach ich zusammen. 


Ich wollte einfach nur bei Dir sein!


Es ging so schnell. Am 14. Dezember war ich den ganzen Tag bei Dir. 
Am 13. waren noch Deine beiden „Madl´n“ da. Du hast Dich gefreut als Du die beiden gesehen hast.



Am 15. Dezember bist Du ... am Morgen um 5 Uhr kam der Anruf. 
Du wärst aufgestanden, zusammen gebrochen und gestorben. 
Ich bin ins Krankenhaus gefahren, ich hab Dich noch gesehen. 
Ich bin so froh, dass ich diese Möglichkeit hatte.
Ich konnte mich noch verabschieden von Dir!!! 



Aber ich konnte Dich nicht mehr um Verzeihung bitten. 
Ich konnte nicht mehr erklären, was mir doch so sehr auf der Seele lag.
 Wie sehr ich bedauere Dich so enttäuscht zu haben. 
So viele Worte bleiben ungesagt und nie mehr die Möglichkeit sie auszusprechen. 
Nie mehr können wir darüber reden. Nie mehr kann ich erklären. 
Wahrscheinlich hatten sie recht, ich kam wieder mal zu spät. 
Du warst kein großer Redner. 
Deine Augen haben gesprochen, ganz viel konnte ich darin lesen. 
Aber wenn Du gesprochen hast, dann waren das keine leeren Worte.


Warum habe ich Dich in Deinen letzten Tagen nicht um Verzeihung gebeten?
Warum habe ich nicht gesprochen?

Jetzt ist es zu spät. 
Ein Versäumnis das nie mehr rückgängig gemacht werden kann. 

Ich hätte reden sollen. 
Ich habe es nicht getan. Vielleicht weil es die Endgültigkeit gezeigt hätte?
Ich hatte Angst. 
Wusste nicht was ich mir wünschen sollte. 
Dass Du sterben darfst und von Deinen Schmerzen erlöst bist?
Aber ich wollte Dich doch bei mir behalten. 
Es ist so schwer, dieses "zusehen" müssen ... 



Wie sehr ich Dich geliebt habe!!!
Und doch habe ich übersehen wie sehr Du mich in Deinen letzten Wochen gebraucht hättest. .


Ich habe Dich im Stich gelassen.

In Deinen letzten Wochen ... Monaten, habe ich als Tochter versagt.

Diese Schuldgefühle trage ich noch heute mit mir.

Ich selbst werde mir das nie verzeihen!!!

Bitte verzeih Du mir Papa!!!

Ich liebe Dich Papa!!! Du fehlst mir ... !!!! 



Kommentare:

  1. Hallo Angelika,

    ich bin total gerührt von deinen ganz privaten Worten! Mir liefen die Tränen nur so über die Wangen. Ich bin mir ganz sicher, dass dein Vater dir verziehen hat. Lass die Meinung anderer nicht so sehr an dich heran. Für diejenigen ist es leicht, JETZT so zu reden, wo es kein zurück mehr gibt. Aber durch die Vorwürfe machen sie nur dich fertig. Nimm dir diese Schuldgefühle nicht an. Dein Vater hat dich geliebt und du ihn. Das ist alles was zählt.

    Ganz liebe Grüße

    Binele

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  2. Ach Angelika,

    was ich dir doch eigentlich schreiben wollte. Mein Blog ist dieser hier: http://sabinele.blogspot.com/. Ich habe an der Wichtelaktion von Martina und Nora teilgenommen. Und damit wir untereinander unsere Wichtelpakete vorstellen können, wurde extra ein Blog dafür geschaffen (http://seelensternchen.blogspot.com/). Es sind also nicht alle Päckchen von mir. :-)

    Liebe Grüße

    Binele

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  3. Es ist auch gerade etwas verwirrend, weil beim "Seelensternchen-Blog" mein Eintrag als letztes zu sehen ist. Und das gleiche Bild taucht auch auf meinem eigenen Blog auf. Löschen kann ich es leider nicht, ich denke, du könntest das aber tun.

    LG

    Binele

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  4. Liebe Angelika,
    versuch, dir zu verzeihen - du hast keine Schuld - es waren die Umstände - dein Vater hat dir längst verziehen - es ist gekommen, wie es kommen sollte - es war sein Weg, den er zu diesem Zeitpunkt gewählt hat - schließ Frieden mit dir und ihm - es ist gut, dass du alles raus bringst - schreib dies alles als Brief an ihn und dann verbrenne diesen Brief - versuch, eine friedliche Erinnerung in dir zu bekommen - er würde es nicht wollen, dass du leidest - du b i s t ein guter Mensch - glaub an dich -
    herzlichst - Ruth

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  5. Liebe Angelika,
    ich glaube, du musst mit dir selber ins Reine kommen- gib dir nicht die Schuld an irgendetwas, was von deinem Vater vielleicht gar nicht so aufgefasst wurde, wie du denkst. Er hat dich sicherlich gut genug gekannt, konnte dich auch ohne Worte verstehen, und dass du dich in seinen letzten Wochen so viel um ihn gekümmert hast, das wird er sehr, sehr geschätzt und auch richtig eingeordnet haben.
    Oft machen wir uns viel zu viele Gedanken um Dinge. Und oft völlig unnötig. Versuch, das Gewesene ruhen zu lassen, und erinnere dich an die schönen Dinge, Bilder, Worte- sie sind es wert, im Herzen getragen zu werden! Ich denke, es gibt gar nichts zu verzeihen- von beiden Seiten nicht. Wir alle sind Menschen, die ihren Tagesformen, Seelenzuständen oder Gefühlregungen unterworfen sind- wir haben ein Recht darauf, nicht nur zu funktionieren, sondern auch einmal unseren Gefühlen freien Lauf zu lassen, egal, ob die positiv oder negativ sind- wir müssen und dürfen uns nicht andauern verstellen!
    Meine Liebe, geniess doch die schönen, warmen, lichten Adventstage und mach dir nicht das Leben schwer- ich bin sicher, dein Vater war immer stolz auf dich und hält auch jetzt noch schützend seine Hände über dich!
    Ganz herzliche Grüsse,
    FrauHummel

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  6. Hallo meine liebe Angelika..
    eines kann ich dir sicher sagen.. das würde dein Papa nicht wollen... dass du dir solche Vorwürfe machst.. Er möchte dass du glücklich bist..
    sei herzlich umamrt..
    ggggggggglg Susi

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  7. Liebe Angelika,
    Ich denke, dass dein Papa dich sehr geliebt hat und das er dir dankbar ist, dass du in seinen letzten Tagen soviel bei ihm warst! Mach dir keine Vorwürfe, die hat er dir auch nich gemacht. Wenn ihm das überhaupt richtig wehgetan hat, dass du in den letzten Wochen nicht da warst, dann hat er dir sicher verziehen. Wenn man liebt verzeiht man alles.Aber ich bin überzeugt, dass er verständnis hatte für dich und deine Situation und sicherlich nicht so drüber nachgedacht hat, ob du ihn *im stich lässt*.
    Fühl dich virtuell herzlichst gedrückt!
    Lg Petra

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  8. Liebe Angelika, ich weiß genau wie Du Dich fühlst, denn auch mein Papa lebt nicht mehr, und manchmal denke ich auch, ich hätte in den letzten Wochen mehr bei ihm sein sollen, aber man kann es nicht mehr ändern! Leider! Aber man sollte sich auch nicht zu viele Vorwürfe machen!
    Ganz viele liebe Grüße, Yvonne

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