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04 Februar 2011

Ein kleines Mädchen

Nach langer Zeit ...  bin ich wieder mal hier ... 
Mir gehts nicht so gut ... aber jemand hat mich "augeweckt", 
mir gezeigt, dass ich  fehle ...  dieser Beitrag "hängt" bei mir schon sehr lange ... schon vor Wochen habe ich ihn geschrieben ...... 


Mein kleines Mädchen ... 
vor einigen Wochen hattest Du wieder Geburtstag.
Jetzt bist Du schon 5 Jahre alt und niemand sieht mehr was Du für ein kleiner Winzling“ warst. 
Und vor allem unter welch dramatischen Umständen Du zur Welt kamst.

Wir waren zu der Zeit wieder mal im Umzugsstress. Am 28.12. wollten wir umziehen. Uns war klar, dass dieses Weihnachten nicht besonders gemütlich werden würde. Weihnachtsstimmung zwischen gepackten Kartons. Ca. 1 Woche vor Weihnachten wurde bei Deiner Mama eine Schwangerschaftsvergiftung diagnostiziert. 
Da Dein Papa arbeiten war, holten wir Mama zu uns, damit sie nicht allein sein sollte. 
Angst hatte ich um sie .. um Dich, um Euch!!! Aber ich durfte sie nicht zeigen, vor allem nicht Deiner Mama!!!


 2 Tage vor dem Hl. Abend waren wir wieder beim Frauenarzt und er meinte, dass Deine Mama ins Krankenhaus müsse. Ein Drama für sie ... sie hasst Krankenhäuser und dann noch so kurz vor Weihnachten. Nach einigen Umwegen ... und vielen Tränen hatten wir (Dein Papa und ich) sie ins Krankenhaus gebracht.

Am Hl. Abend wollte sie unbedingt bei uns sein und so vereinbarte sie mit den Ärzten, dass sie auf eigene Verantwortung nach Hause darf. Aber sie musste stündlich Blutdruck messen  und bei hohen Werten sofort wieder ins Krankenhaus kommen.
 Hinzu kam, dass sie täglich im Krankenhaus zur Kontrolle musste. 


Deine Tante besorgte sofort ein Blutdruckmessgerät in der Apotheke und ich holte Euch beide“ ab. Der Hl. Abend verlief ganz friedlich und schön. Am nächsten Tag fuhren wir wieder ins Krankenhaus. Die Ärzte waren sehr besorgt und wollten unbedingt, dass Deine Mama im Krankenhaus bleiben solle. Aber sie wollte nicht ... nichts half. Mir war das Risiko zu groß. Wir wohnten zu dieser Zeit  sehr abgelegen auf dem Land. Deine Mama brachte ich unter Tränen von uns beiden zu Deinen „anderen Großeltern“, die in München lebten.

Wir packten weiter ... Umzugskartons. Viel von unserem "Rest" packte Deine Tante, da ich so viel wie möglich bei Euch sein wollte. Ich machte mir große Sorgen. Am nächsten Tag fuhr Deine Mama ins Krankenhaus, Mittag kam der Anruf, dass die Entbindung eingeleitet werden solle. Ich fuhr zu Euch ... ließ Umzug Umzug sein, ich hätte nicht gekonnt ... konnte an nichts anderes mehr denken als an Euch beide. 
Als ich im Krankenhaus ankam, war nichts ... gar nichts ... sie nahmen Deiner Mama Blut ab und meinten, es könnte noch Tage dauern bis Du kämst. Ich war einigermaßen verwundert ...konnte nicht verstehen  wie das zusammen passt. Warum man sich jetzt "Zeit ließ", Du aber 5 Wochen zu früh zur Welt kommen solltest.


Eine Ärztin sagte, dass nach der Entbindung für Dich die Gefahr vorbei wäre, aber für Deine Mama nicht. Einige Zeit später erklärte man uns, wenn die Leberwerte sich weiter verschlechtern würden, dann würdest Du „geholt“. Die Zeit verstrich, nichts passierte. 
Plötzlich wurde alles ganz hektisch ... Deine Mama musste die Einwilligung für die OP unterschreiben, wurde schon vorbereitet, aber keiner sagte etwas. Dann kam die Ärztin, meinte die Werte hätten sich stark verschlechtert, sie würden jetzt einen Notkaiserschnitt machen. Deine Mama weinte ganz fürchterlich. Es ging alles plötzlich rasend schnell.

Dein Papa und ich ... wir beruhigten uns gegenseitig, zumindest versuchten wir es. Nach einiger Zeit brachten sie Dich. Ich sehe Deinen Papa noch heute vor mir ... 
mit Tränen in den Augen ... er freute sich so ... dass Du gesund und munter warst ... 
es Dir gut ging. Aber ich machte mir immer noch große Sorgen ... 
Es hieß doch, für Deine Mama bestehe nach der Geburt erst mal die Gefahr weiter. 
Es kam ein Kinderarzt, meinte Dir gehe es den Umständen entsprechend gut, nahm Dich mit auf die Kinderintensivstation, da Du zu früh warst und in den Brutkasten solltest.

Ca. eine ¾ Stunde nachdem Du weg warst, brachten sie Deine Mama. 
Ich war so froh ... sie zu sehen ... sie redete auch schon ... aber ganz komisch ... ganz merkwürdig, als wenn sei betrunken wäre. Ich fragte die Hebamme, sie meinte das käme von der Narkose. Ich konnte mir das nicht recht vorstellen, hatte ich doch knapp 5 Monate vorher Deine Tante nach ihrem Kaiserschnitt erlebt und die war ganz anders. 
Deine Mama war an Geräten angeschlossen. Irgendwie wurde die Hebamme hektisch ... Deine Mama war eigentlich ganz fröhlich, fragte immer nach Dir, aber immer in diesem merkwürdigen Ton ... Ich fragte immer wieder woher das käme. 


Eine Ärztin kam ... Dein Papa meinte leise zu mir, „schau mal auf den Monitor ... der Blutdruck ... „ Ich war entsetzt, der Wert war bei ca. 200 ... die ganze Atmosphäre war äusserst angespannt ... völlig hektisch und überdreht. Plötzlich meinte die Ärztin zur Hebamme „was haben sie ihr denn bisher gegeben“. Da sagte die Hebamme ... „Mineralien“. Die Ärztin reagierte äußerst gereizt und meinte „jetzt geben sie ihr mal was richtiges, was soll denn das, das Kind ist doch jetzt da“. Die ganze Situation ... Dein Papa und ich standen am Ende des Bettes und hielten uns an den Händen. 
Es wirkte alles so verzweifelt, als wenn das medizinische Personal selbst völlig überfordert wäre. Plötzlich erklärte man uns, wir sollten das Zimmer verlassen. 
In dem Moment brach alles zusammen ... man bekommt Angst, Panik ... weiß genau, dass es jetzt um Leben und Tod geht. Das unbeschreibliche wird bewusst. 
Ich weinte ganz schrecklich  ... Dein Papa stand neben mir ... wir waren so verzweifelt ... diese Gefühle sind nicht zu beschreiben ... nicht erklärbar ... die ganze Dramatik der Situation ...  Die Ärztin kam und meinte, dass die Lage sehr ernst sei. Wir wagten nicht zu fragen ... das Wort „Lebensgefahr“ nicht in den Mund zu nehmen.

Nach einer gefühlten Ewigkeit, kam eine Schwester und meinte, einer von uns könnte wieder in das Zimmer ... ich sah Deinen Papa an ... er mich und sagte „geh du rein“. 
Ich war so froh, dass ich zu Deiner Mama durfte. Sie redete noch immer in diesem merkwürdigen Ton. Man erklärte mir, dass Deine Mama auf die Intensivstation müsse, sie hier so eine Einrichtung nicht hätten und sie daher mit dem ärztlichen Notdienst ins nächste Krankenhaus gebracht würde. Ich fragte, ob Dein Papa nicht auch wieder rein könne, er mache sich doch auch Sorgen. Er kam, wir sahen uns beide mit Tränen in den Augen an ... uns war nicht klar, ob Deiner Mama die ganze Dramatik, die ganze Situation bewusst war. Jetzt hieß es auf den Krankenwagen warten. Die Hebamme war fast ständig im Zimmer, die Ärztin kam immer wieder. Nach ca. einer Stunde kam der Krankentransport, wir halfen noch Deine Mama auf die Liege zu befördern und fragten ob wir mit könnten. Man erklärte uns sofort, dass das nicht ginge, gab uns die Telefonnummer der Klinik, wir verabschiedeten uns und waren allein. 


In dem Moment wurde uns alles bewusst. Die Sprachlosigkeit, in der man im ersten Moment ist ... wir gingen zum Auto, ich fuhr Deinen Papa zu Deinen Großeltern, wir hatten mit „daheim“ immer wieder telefoniert ... sie wussten also alle in etwa was los war. Es war jener Winter mit dem vielen Schnee. Aber ich kam noch gut nach Hause ... erst als ich die Tür aufsperrte „brachen bei mir alle Dämme“. Ich war entsetzlich verzweifelt, wusste doch nicht was jetzt mit Deiner Mama ist ... wie es weiter geht ... die Gefahr bestand noch immer ... ein wenig konnte ich schlafen ... schon morgens um 6 Uhr wollte ich in der Klinik anrufen, wagte es aber nicht. Um mich abzulenken, packte ich wieder Kartons ... schließlich sollte am nächsten Tag der Umzug sein .. morgens ca. 7Uhr rief ich in der Klinik an, man sagte mir, dass es Deiner Mama besser gehe und sie am Vormittag noch zurück in die Frauenklinik käme. Meine Erleichterung ist unbeschreiblich gewesen ... so froh ... aber ich wollte sie sehen, musste sie sehen ... Deine Mama ... ich wusste eher hätte ich keine Ruhe … und so fuhr ich … am Mittag zu ihr. Sie sah schrecklich aus ... aber es ging ihr besser. Zum ersten Mal durfte ich Dich besuchen ... Dich sehen ... jetzt kam die große Freude, die Tränen ... auf den Arm wollte ich Dich nicht nehmen, weil Deine Mama Dich noch nicht gesehen hatte und ich wollte, dass sie nach Deinem Papa die Erste sei.

Du warst so winzig, so klein. Sie hatten Dir eine gelbe Mütze aufgesetzt. Die wirkte so riesig im Gegensatz zu Dir. So ein kleines Bündel Leben.





Das Gefühl zusehen zu müssen, wie das eigene Kind in Lebensgefahr schwebt ist unbeschreiblich. Es ist als ob das eigene Leben in dem Moment ein Stück verschwindet, alles andere tritt in den Hintergrund. Mir sagte mal jemand ein paar Monate später „das ist ja jetzt vorbei“. Nein, das ist nie vorbei, dieses Gefühl, diese Momente vergesse ich nie. Man taucht immer wieder bei Erinnerungen in diese Gefühle ein. 


Nie werde ich jene schlimmen Stunden vergessen!!!

Trotz der vielen schlimmen Stunden ...


Mein Mädchen, 
es ist so schön, dass es Dich gibt!!! 




Du kleiner Mensch ganz ohne Ahnung,
was Leben heißt und Leben ist,
du bist uns eine ernste Mahnung,
weil du des Lebens Sinnbild bist.
Drum wünschen wir dir für dein Leben:
lass Gott dir Ziel und Richtung geben.

Verfasser unbekannt
 



Kommentare:

  1. Tief bewegt hat mich nun deine geschichte. Mir fehlen die Worte. Ja ein leben ist nicht einfach nur Leben . Es ist unbeschreibbar dieses gefühl . Ein gefühl des schreckens . Die Erinnerung darf auch immer Platz haben.
    dankeschön für diese Geschichte. Herzlichst Marlies

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  2. Hallo
    schön wieder von dir zu lesen. Fühl dich ganz feste gedrückt!
    LG Petra

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  3. Das ist so bewegend, und ich freu mich für Euch alle, dass es so gut ausging.
    Schön, dass Du wieder da bist. Ich hab Dich vermisst.
    Schönes Wochenende
    Elisabeth

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  4. Meine liebe Angelika,

    Deine so ehrlichen und bewegenden Worte haben mir sehr gefehlt-DU HAST HIER IN DIESER OFT SO KALTEN BLOGWELT GEFEHLT---und ich kann Dir sehr gut nachempfinden,wie Du gefühlt haben musst und vor allem das solche Erlebnisse einen Menschen nie ganz loslassen und ein Leben lang begleiten

    Mein Eingemachtes ist schon auf dem Weg und findet hoffentlich zu Dir

    ich bin froh das Du wieder da bist

    Deine Momo

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