Hallo,

willkommen bei mylittleworld142




02 August 2011

Mama ... Dein langsamer Abschied (Teil 2)



Heute ... 13 Wochen und 1 Tag ... ohne DICH!!! 


Ach Mama ... seit Wochen habe ich geschrieben ... DAS hier einzustellen, fällt mir so schwer. 
Der Beginn DEINER GESCHICHTE ... 
schwarz auf weiß ... 
Tatsache? 
Ich will nicht, dass ES Tatsache ist ... 


Ich will Dich wieder haben ... Mama ... 
Du fehlst mir so sehr!!! 






Die Liebe bleibt / Peter Maffay


***

Mama, sie haben mir nicht Bescheid gesagt, es tut mir so leid!!! 
Auf jeden Fall, hätte ich Dir beigestanden vor und nach Deiner Operation!!!
Nie ... nie werde ich mir verzeihen, nicht für Dich da gewesen zu sein!!!! 

Deine Betreuerin  .... wie beim letzten Mal ... hat sie mich nicht informiert. 
Im Nachhinein hat sie im Heim erklärt sie hätten alles richtig gemacht, SIE zu informieren. Wer dann die Angehörigen informiert ... ? 
Das Heim nicht, die Betreuerin nicht ... 
WO BLEIBEN UNSERE RECHTE???

Mama, so weit ich später erfahren habe, bist Du am Mittwoch den 20.04. gestürzt und kamst ins Krankenhaus. 
Du hattest einen Oberschenkelhalsbruch und wurdest operiert . 
Zum ersten Mal in Deinem Leben eine OP, in Deinem Alter ... 
Ich glaube nicht, dass ich dem zugestimmt hätte. 
Ich weiß nicht ...

Das Heim hat Deine Betreuerin, am 20.4.  informiert. 
Am Mittwoch vor Ostern auf ihren Anrufbeantworter gesprochen. 
Bei mir hat sich niemand gemeldet.


6 Tage später  (am Dienstag nach Ostern!!!) bekam ich am Nachmittag 
um 13.30 Uhr einen Anruf einer Ärztin aus der Klinik. 
Sie sagte, dass es Dir schlechter gehe, Du wohl in der Nacht einen Schlaganfall gehabt hättest. Du wärst am Vormittag noch ansprechbar gewesen und jetzt plötzlich so ruhig, man mache sich Gedanken. Im Krankenhaus machte  man sich Gedanken, dass Du keinen Besuch von Deinen Angehörigen bekamst, die Betreuerin und die im Heim machten sich diese Gedanken nicht!
Wie konnten sie nur ... ???




***

Noch heute bin ich dieser Ärztin dankbar, 
ohne sie ... wenn sie sich nicht "Gedanken" gemacht hätte ... 
nicht "nachgedacht hätte" ...
wer weiß ... weiter kann ich nicht denken... 
sie hat nachgedacht!!! 


Gott segne sie dafür!!! 




***


Ich fragte sie, was passiert sei, wieso Du im Krankenhaus liegst, ich wüsste davon nichts. 
Ich konnte kaum sprechen, sie erzählte mir was vorgefallen ist. 
Ich bin sofort in die Klinik gefahren ... Wie blind fuhr ich, Tränen liefen über mein Gesicht. 
So oft hatte ich schon gehört „Oberschenkelhalsbruch ... Schlaganfall“ ... 
Meine Oma ist an einem Schlaganfall gestorben, das wusste ich noch. 


Deine Betreuerin und das Heim fanden es wieder nicht für erforderlich, mich über Deinen Krankenhausaufenthalt zu informieren.
Sie nahmen mir so die Möglichkeit noch ein letztes Mal mit Dir zu sprechen, 
... noch ein einziges Mal Worte von Dir zu hören. 


Dein Tod / Kyra


Ich hatte Angst ... Angst wieder zu "verlieren" ... ich hatte doch schon ... 
die Beiden verloren ... meinen Papa ... meinen Bruder ... 

Wir waren über Ostern daheim. 
Zum ersten Mal, seit es Deine Enkelkinder gibt, gab es bei uns kein großes "Ostereier suchen" ... 
Ich wollte nicht, wusste nicht warum, ich wollte einfach nicht. 
Heute bin ich froh, wenn ich mir vorstelle, Du liegst im Krankenhaus,
wir wissen nichts davon ... und  feiern daheim, alle zusammen, Ostern ... 
Als Du das letzte Mal im Krankenhaus lagst, war ich täglich bei Dir. 
Dieses Mal ... warst Du 6 Tage allein ...
wegen ihnen ...
Ihnen ist es egal, aber ich muss DAMIT leben!!! 



***


Der Betreuer hat lt. BGB § 1901 so zu entscheiden, 
wie der Betreute selbst entscheiden würde, wenn er selbst entscheiden könnte. 
Ich weiß,  Mama Du wolltest nicht 6 Tage allein im Krankenhaus liegen.




 *** 


Als ich ankam, war ich mit Dir allein. Ich war fassungslos, als ich Dich sah. 
Ich hatte, meine Familie informiert und wusste sie kommen alle noch, doch ich fühlte mich so einsam, war so verzweifelt. 
Mehrmals rief ich sie an, wo sie denn wären, ich bräuchte sie dringend. 
Wie es immer so ist ... ausgerechnet da, ein Stau.


Mama / Christina Stürmer


Ich war so froh, als sie endlich kamen. Gesprochen haben wir kaum. 
 Wir standen zu viert um Dein Bett, Deine beiden Enkelinnen, Dein Schwiegersohn und ich. 
Die ganze Situation erschien so  „hoffnungslos“. 
Informationen hatte ich bis dahin noch wenig, wusste nur das, was die Ärztin mir am Telefon gesagt hatte. 
Ich suchte jene Ärztin, sie meinte, Du hättest einen schweren Schlaganfall gehabt.
Ich war entsetzt, bis zu diesem Moment, bis zu diesen Worten hatte ich noch Hoffnung.
Die waren mit den Worten "schwerer Schlaganfall" nun zerstört. 
Sie wollten jetzt weiter beobachten wie Du Dich entwickelst, ob Du Dich wieder erholst.
Was "zurück bleiben" würde, könnte man erst in ein paar Tagen sagen.


 Dass Du Dich von diesem Schlaganfall nie mehr erholen würdest, 
nie mehr die „Alte“ sein würdest, wusste ich bereits in diesem Augenblick.
Ausgesprochen hat diesen Gedanken von uns keiner.


***

Dich so zu sehen. Deine Augen, Du hast mich angesehen. Du hattest Augenringe und die Augen lagen ganz tief in den Höhlen. Ich hatte das Gefühl, Du wusstest wie hilflos Du da liegst. Ich musste mich schon sehr beherrschen, nicht ständig zu weinen. Ich wollte nicht, dass Du meine Tränen siehst,  Du solltest keine Angst bekommen.
Ich wollte Ruhe für Dich! 

Noch immer hatte ich die Hoffnung nicht aufgegeben, obwohl ich wusste, dass es sehr schlecht um Dich stand.


Als ich da so stand, wurde mir bewusst ... in unserer Rollenverteilung ... Du bist jetzt die "Hilflose", die die beschützt werden muss. Ich muss Dich beschützen, alles was geschieht "überwachen". 
Jetzt hatte ich das Recht auf "Kind sein" verloren. 


Ich erinnerte mich daran, wie Papa damals im Krankenhaus war, an seine "letzten Tage".
Ich wollte nicht ... dass DAS Deine letzten Tage sind. 
Aber eine Ahnung beschlich mich. 
Gleichzeitig hatte ich Angst davor, dass Du nun "SO" noch Wochen, Monate, vielleicht sogar Jahre, .... "existierst". 

Ganz tief in mir fing ich an zu beten ... um Hilfe für Dich, 
dass Du nicht leiden musst ... 
und doch gleichzeitig hatte ich diese Angst, dass Du nun "nach Hause" gehst ... 
Ich hatte Angst Dich zu verlieren, Angst dass Du mich verlässt.
Angst schon wieder jemanden gehen zu lassen, den ich liebe. 
Angst meine Mama zu verlieren ... 


Es ist "normal", dass die Eltern vor einem "gehen". 
Aber, wenn es "so weit" ist ... so weit sein könnte ...
Ganz leise liefen die Tränen ... "einfach so ... "



Halte durch / Xavier Naidoo

Wir wussten es schon lange ... irgendwann wirst Du "gehen". Sollte es jetzt so weit sein? 
NEIN!!! schrie es in mir ... 
Jetzt? Nein nicht jetzt ... 
Nie!!!




Wo lernt man so cool zu sein,
wenn man Angst hat, man verliert, was man liebt?
Wenn ich Angst hab, ich verlier, was ich lieb?

Tränen im Kissen / PUR


Ich war nicht cool, wollte noch nie cool sein ... 
Ich hatte Angst ... ich verlier was ich lieb ... 





In mir war ein Zwiespalt, gehen oder bleiben. 
Ich wollte keinesfalls, dass Du allein bist, wenn "ES" so weit ist. 
Ich drehte mich zu Dir um, hab Dir gesagt, dass ich "wieder komme". 
Als mir die Worte bewusst wurden, die ich da gesagt hatte, 
da bekam ich richtig Panik.
Diese 
Worte "Ich komme wieder, besuche Dich ... " hatte ich bei Günter und auch bei Papa gesagt. 
Und bei beiden ...  waren es meine letzten Worte an sie  ... 


Unruhe und Verzweiflung ... ergriffen Besitz von mir!
Am liebsten wäre ich geblieben ... 



Wieder einmal hinterließ ich alle meine Telefonnummern mit dem Hinweis, 
bei einer „Veränderung“, auch nachts, unbedingt verständigt zu werden.
Zuversichtlich war ich in dem Punkt nicht mehr.
Ich hatte das Vertrauen verloren, "verständigt zu werden". 



In dieser Nacht hatte ich "Tränen im Kissen" ... !!!
Ich weinte um Dich ... um die verlorene Zeit mit Dir ... 



Ich hatte panische Angst um Dich!!!!



                                                                                                                                  Der nächste Teil folgt ... 

28 Juli 2011

Alles Gute ... unser kleiner Prinz



Im Moment fehlen mir oft die Worte ... 

Aber heute soll es hier um Dich gehen... 


Zum ersten Mal im Arm Deiner Mami ... 


Du hast heute Geburtstag ... kleiner Mann ... 


Geburtstagslied


Es ist so schön, dass es Dich gibt ... 
dass Du bei uns hier lebst ... 

Du bist ein Trost für mich ... in dieser Zeit ... 

Du sagst sehr oft:
"Ich hab Dich lieb ... "

Ich Dich auch!!!

Ich wünsche Dir alles Gute zu Deinem heutigen Tag und für jeden Tag in Deinem Leben ... !!!! 


May the good Lord bless you



20 Juli 2011

Einsam in der Trauer ...









Einsam in der Trauer

Wie ein Schleier hüllt Dich die Einsamkeit ein,
manchmal möchtest Du gerne schrei´n.
All die vielen Worte die sie Dir sagen,
als wollten sie Dich damit auch noch plagen.

Du wandelst wie in einem schlechten Traum,
sie sagen, Du sollst nach vorn, nicht zurück schaun,
das Leben geht weiter und ist nicht fair,
Du fühlst Dich so leer, als wenn in Dir nichts wär.

Du tust was sie sagen und lachst völlig heiter,
aber in Dir zerbricht was und Du kannst nicht weiter,
Du fühlst Dich am Abgrund und bist hilflos dabei,
keiner bemerkt es, in Dir bricht etwas entzwei.
(Darf ohne meine Genehmigung nicht gewerblich genutzt, nicht vervielfältigt und auch nicht veröffentlicht werden)


***


Die Beerdigungsfeierlichkeiten sind noch nicht mal abgeschlossen und schon sagen sie dir:
"Du musst nach vorne schauen ... " 







***


Ach Mama ...
ich würde am liebsten
  - alles kurz und klein schlagen
 - davon laufen
- Dich zurück holen
- ein Meer von Tränen vergießen  ...

 

Ich kann nichts machen ... 
Ganz egal was ich auch tue ...

Du kommst nie mehr zurück!!!! 




15 Juli 2011

Mama ... Dein langsamer Abschied (Teil1)




Ach Mama ...weißt Du, es war schwer die letzten Jahre zusehen zu müssen ... 
Dich in Deiner Krankheit zu sehen ... 

Ich wollte es nicht sehen, was mit Dir ist, wollte es nicht wahrhaben, mir nicht eingestehen. 
Aber es gab 2 Vorfälle, die ich registriert habe, aber ich wollte nicht glauben, was mit Dir passiert.
Wir beide waren Kaffee trinken und Du erzähltest mir, dass Du das Grab von Günter und das von Papa nicht mehr findest. 
Ich war so entsetzt, es tat mir so weh, Du hast es nicht mehr gefunden, das Grab von Deinem Sohn.  Ich habe Dir den Weg und die Gräber gezeigt. Du hast Dich so gefreut darüber, dass ich mit Dir dort war. An diesem Tag wollten wir die Gräber neu bepflanzen. Du bist noch mal mit uns mit, Du hast Dich so oft bedankt bei Deinem Schwiegersohn. 
Noch heute bin ich froh darüber, dass Du an diesem Tag mit uns gemeinsam dort warst, 
denn ich glaube, dass es das letzte Mal war, dass Du dort gewesen bist. Ich bin froh, dass Du nicht
mitbekommen hast, was "SIE" mit dem Grab Deines Sohnes gemacht hat. 



Der andere Vorfall war etwas später. Du hast mich gefragt, warum Günter nicht mehr kommt, warum  Dein Sohn Dich nicht mehr besucht, er den Du so sehr geliebt hast. Ich war völlig hilflos in der Situation, überfordert, vermisse ich ihn doch selbst so sehr. In meiner Ahnungslosigkeit erzählte ich Dir, dass er nicht mehr bei uns ist. 
Was dann folgte ... es war so, als würdest Du zum ersten Mal erfahren, dass er tot ist. 
Du hast geweint ... warst völlig verzweifelt ... 
DAS wollte ich nicht ... nie mehr sagte ich etwas in dieser Richtung zu Dir.
Besser fand ich, Du glaubst, dass er keine Zeit hat.



***

Deine Krankheit breitete sich aus, nahm von Dir Besitz. 
Manchmal hast Du wohl nicht mehr nach Hause gefunden, 1x wurde ich darüber von der Polizei informiert. 
Wir wohnten leider zu der Zeit viel zu weit entfernt von Dir.


Ich wollte es nicht sehen, nicht glauben, schon überhaupt nicht sagen, dieses schreckliche:
Meine Mama ist an Demenz erkrankt.
2 Pflegerinnen kamen zu Dir und als das nicht mehr ging, nach diesem ganz schrecklichen Zusammenbruch von Dir, als Du ins Krankenhaus kamst, da war klar, Du kannst nicht mehr nach Hause zurück. Erst kamst Du ins Bezirkskrankenhaus auf eine "Übergangsstation", bis ein Platz in einem Heim für Dich gefunden war. Die Station war sehr persönlich eingerichtet und wir hatten den Eindruck, Du fühlst Dich wohl. Wo Du da bist, haben wir Dir nie gesagt. Anschließend, als ein Platz gefunden war, kamst Du in „dieses“ Heim. Dich im Heim zu wissen, es war so schrecklich für mich. Ich wusste, dass ich Dir nicht helfen konnte, auch aus eigenen gesundheitlichen Gründen. Es wäre nicht möglich gewesen bei uns. Und so, warst Du  „dort“. Wohl war mir dabei nie. 


***

Anfangs wolltest Du immer mit ... nicht dort bleiben. Ich hab Dir was von einem „Hotel“ erzählt. 
Du hattest immer wieder Angst, dass Du nichts zu essen bekommst. Ich sagte Dir, dass sie sich in diesem Hotel um Dich kümmern, Du nichts machen musst. Auch nach Deiner Wohnung hast Du gefragt, ich hab Dir erzählt, dass „alles noch da sei“. Ich sehe noch heute Dein Gesicht, dieses „Strahlen“ von Dir. „Alles noch da? Des is ja prima“, hast Du gesagt. Ich war immer froh, wenn Du Dich mit meinen "Erklärungen" zufrieden gabst. Ich hätte nicht gewusst, was ich Dir sagen sollte. Aber es gab auch andere Vorfälle, nämlich jene, wenn Du „mit“ wolltest, hinter mir her liefst ... ich nicht wusste was ich tun sollte und ich gegangen bin, fast "davon gelaufen".
Ach Mama ... es tat so weh!!!

Meist habe ich eine Pflegerin gefragt, ob sie Dich ablenken könnte oder ich wartete bis es Essen gab, damit Du beschäftigt warst und mir nicht hinterher siehst. Denn DAS war besonders schlimm. 


Es war so ungewöhnlich ... die Rollen hatten sich geändert. 
Plötzlich warst Du in unserer Rollenverteilung "das Kind" und ich die Erwachsene ... 
Zunächst hast Du mehrmals gefragt, wie lange Du noch bleiben musst. 
Bei dieser Frage bekam ich einen dicken Frosch im Hals, versuchte die Tränen zu unterdrücken ... 
wusste ich doch ... wollte aber nicht darüber nachdenken und es keinesfalls aussprechen ... 
dass Du dort bleiben musst bis ... 

Bei jedem Besuch war es ein Stück Abschied nehmen von Dir. 
Ein qualvoller langsamer Abschied die Jahre hindurch. 
Manchmal stellte ich mir selbst die Frage, ob Du „geflüchtet bist“ vor dem was Du kaum mehr aushalten konntest.
Geflohen vor den Schrecken, vor den Erinnerungen Deines Lebens. 
Hast Du Dir irgendwann gedacht „Mir reicht´s, ich bin dann jetzt weg ..."


Ab und zu hatte ich den Eindruck, Du „verschwindest“ förmlich vor meinen Augen. 
Wenn Du wieder „zurück kamst“, dann war ich erleichtert, aber es war nicht wie früher. 
Vielleicht weil mir bewusst wurde, dass das schon jetzt  und immer wieder ein „kleiner Abschied“ ist. 
In diesen Momenten erkannte ich, dass ich Dich teilweise schon „verloren“ hatte. 
Ich wollte dieses „vergessen“ nicht sehen. 
Wenn ich zu Dir kam, hast Du mich erkannt, aber nicht gewusst wer ich bin. 
Es tat so weh zu sehen, dass Du Deine eigene Tochter nicht erkennst. 

Mama, es tat so weh!!!! Langsam von Dir Abschied zu nehmen ... 
Ich bin oft ins Auto, setzte mich erst mal und hab einfach nur geweint ... 
geweint um Dich ... um das Leben das Du jetzt "am Ende" noch führen musstest ... 
und auch geweint, weil "er" nicht da war ... 
er hätte Dich mitgerissen mit seiner Leichtigkeit, Dein Sohn!!! 
Du hast ihn so sehr geliebt.

Du und Günter, "Dei Bua"

An manchen Tagen warst Du so spontan wie früher selten.
Einmal hast Du mich angesehen und zu mir gesagt:
"Ich hab Dich lieb." Wie sehr ich mich da gefreut habe, ganz warm wurde mir.
Noch heute wenn ich daran denke, treten mir Tränen in die Augen 
und ich  freue ich mich über diesen Moment.



***


Ich erinnere mich noch sehr gut an unseren letzten Besuch bei Dir, er war ganz spontan. 
Ich war so froh, dass ich nicht allein bei Dir war. Allein war es noch schlimmer. 
Du hast nie viel gesprochen aber in dem letzten Jahr, warst Du ganz ruhig, so still. 
Und ich saß dann neben Dir und wusste auch nicht was ich sagen sollte. 

Bei diesem letzten Besuch, haben wir mit Dir Mensch-ärgere-Dich-nicht gespielt. 
Papa mochte dieses Spiel nicht, er mochte lieber Spiele bei denen man „sein Hirn einsetzen muss“. 

Deine Züge hast Du mit allem was auf dem Spielbrett lag, gemacht.
Mit dem Würfel, den Spielfiguren, mit unseren Figuren. Gezählt hast Du immer richtig.
Darauf war ich irgendwie stolz, weil dann „kann  es noch nicht so schlimm sein“.
An was man sich so „fest hält“ damit man die Situation ertragen kann.
Anfangs wollten wir Dir bei Deinen Zügen noch helfen, sagten Dir, welche Deine Figuren wären. 
Doch irgendwann sagte ich, lass sie doch, Hauptsache sie hat ihre Freude. 
Und wir hatten Freude an dem Spiel mit Dir. 
Meine „Große“ meinte: „Wenn mein Sohn sähe, wie Oma spielt, würde er ihr sagen: 
"so spielt man das aber nicht, die Oma spielt falsch ...“. 
Bei unserem Abschied von Dir, haben wir uns wieder mal „davon gestohlen“, 
damit Du nicht traurig bist, wenn Du nicht mit uns fahren kannst. 
Wir haben wieder gewartet bis es Essen gab und so warst Du beschäftigt. 

***



Wenn ich gewusst hätte ... jeden Tag hätte ich Dich besucht ...
Ja, wenn ....hinterher ist man immer schlauer ...

"Die bittersten Tränen weint man über das, was man versäumt hat."
Mama ... ich weine viel ... über "Versäumtes" ... 


***


Ich war oft so traurig darüber,  nicht mehr mit Dir sprechen zu können über die Dinge die mir noch wichtig gewesen wären, . Über Deine Kindheit, Deine Jugend ... Dein Leben ... 
Nach jedem Besuch war ich verzweifelt ... aber das war noch nichts gegen das ... was noch kommen sollte. 
Ich habe mir immer gewünscht und gebetet, dass Du nicht leiden musst,
wenn "ES" mal so weit ist ... leider ... 






                                                                                                                Der nächste Teil ... folgt ... 



11 Juli 2011

Mama ... das letzte Wort









Mama ... als ich noch ein Kind war, 
hast Du mir oft gesagt, dass man  "nicht böse miteinander einschlafen darf". 
Weil es sein kann, dass am Morgen einer von beiden nicht aufwacht. 

Als Kind ... viel hab ich mir nicht gedacht dabei ... 
aber das Leben hat mich gelehrt ... 
Ja ... das letzte Wort ...
es kann für immer sein ... 
niemand weiß wann man das letzte Wort zu jemandem sagt ... 


Und ich weiß meine letzten Worte an Dich nicht ... 
weil ich nicht glaubte, dass "ES" in jener Nacht ... 


Du fehlst ....  




08 Juli 2011

Pfiade Mama (Teil 2)



Könnten Dich Tränen zurück bringen, 
wärst Du schon lange wieder hier !!!

Ach Mama ... 


Anfangs wollt ich fast verzagen
Und ich glaubt ich trüg es nie,
Und ich hab es doch getragen,
Aber fragt mich nur nicht wie.
Heinrich Heine



Wie ... wie ohne Dich?


Oft weiß ich es nicht ... 
Wie ... tragen ... 


"Borderline" (Marcel Saibert / Mars)


Und dann ... diese Sprüche, sie haben sich in den vielen Jahren,
seit dem "letzten Mal", seit Günter und Papa nicht verändert:

Sie war ja schon so alt und krank, es ist besser so.
Was hat das mit meiner Trauer zu tun? 
Liebt man einen Menschen weniger nur weil er alt, weil er krank ist? 
Deswegen ist es trotzdem meine Mutter und ich vermisse sie!!! 
Es tat so weh, sie „gehen zu lassen“.


Auch immer wieder gern genommen:
Das Leben geht weiter!!!
Ach ... ? Wirklich ...? Da wäre ich nicht drauf gekommen. 
Ich habe DAS schon 2x erlebt und ich weiß, dass es weiter geht. 
Aber jetzt, mein Leben stand still, steht immer noch still, weil meine Mutter gestorben ist ...


Wir müssen alle mal sterben ...
Das ist wirklich ein Klassiker und der hilft ganz bestimmt (!!!) in dieser schweren Zeit.


Auch gut sind jene, die nicht wissen was sie sagen sollen und von ihren eigenen Problemen erzählen. Von ihren Leiden, von ihren Schmerzen ... ich höre gerne zu, aber nicht immer und jederzeit!!! 
Im Moment eher nicht. 
Meine Mama ist gestorben, dann habe ich kein „offenes Ohr“ für die Probleme der anderen.


Da sind mir dann doch die lieber, die gar nichts sagen ... 
nicht wissen was sie sagen sollen und einfach nur schweigen. 
Dafür danke ich sehr!!!
Manchmal ist schweigen eben wirklich Gold!




Ein häufiger Spruch, den man zu hören bekommt heißt: 
“Du musst wieder leben, du hast genug getrauert.” 
Dieses Unverständnis verletzt, man fühlt sich unverstanden, nein, man ist unverstanden. 
Trauer kennt keine Zeit!!! Trauer braucht Zeit….!!!!


Deine Trauer ist nicht normal.
Wenn es normal ist, dass man zur Tagesordnung übergeht, 
nachdem man Tage, Nächte bei der Mutter am Bett saß, 
ihr beim sterben zugesehen hat, ihren Kampf erlebt hat, 
ihr die Hände gehalten, sie gestreichelt hat, 
... wenn es normal ist, dass man dann "einfach" weiter macht.
Ja dann ... nein, dann bin ich nicht normal. 
Dann ist meine Trauer nicht normal.
Und: 
Dann möchte ich auch nicht normal sein. 
Weil ich traurig bin ... weil ich traurig sein darf, 
weil meine Mama weg ist. 



Auf Papa´s Sterbebildern steht der Spruch:
„Wer´s nicht empfand, kann´s nicht verstehn,
den Schmerz, den Vater sterben seh´n .......  „

Und bei der Mutter ist es ebenso ... 




Mit Trauernden umzugehen ist schwer. Ich sage nicht, dass DAS leicht ist. 
Aber für die Trauernden selbst ist es wohl am schwersten. 


 Aber vorsicht!!! 
Jeder von uns, wird unter "normalen Umständen" mal in diese Lage kommen.
Und dann vielleicht verstehen. 



Bitte!!!! 
Dinge nicht besser wissen, die die man selbst noch nicht erlebt hat!!! 
Und wenn man es schon erlebt hat und die Trauer anders oder kürzer war,
dann sag ich nur: "Jeder Mensch ist anders ... jeder trauert auf seine Weise!"



Wie kann man trauern ohne traurig zu sein?


Es wird alles wieder gut ... 

Nie, nie wird es wieder gut, denn DU bist nicht mehr da  Mama!!! 
Nach Günter und Papa ... auch Du ...