So viele Jahre hatte ich Angst davor, sogar oft geträumt, dass Dir etwas passiert, Du krank sein würdest.
Und plötzlich war er da, jener Tag und es ist schlimmer als man es sich vorstellt.
Und nachdem das Unbegreifliche am 23.August passiert ist, war ich so mit mir selbst beschäftigt.
Und Du ... ich glaube ab diesem Tag hast Du Dich aufgegeben.
Und ich habe es übersehen!
Es war ja nicht das Einzige was in diesem Jahr mein Leben auf den Kopf gestellt hat.
Die Trennung, die Fortbildung ... mit Deinen „Madl´n“ allein.
Du hast ihn geliebt.
Am 28.8. bei der Beerdigung habe ich das zum ersten Mal verstanden.
Aber auch ich habe nicht an Dich gedacht.
Ich habe nicht gedacht, dass Du so „mitgenommen“ bist.
Nicht daran, dass Du so krank warst. Ich hab es wohl gewusst aber nicht gesehen.
Ich war zu sehr gefangen in meinem eigenen Schmerz, meinem eigenen Leben , das sich in diesem Sommer so sehr verändert hatte.
Ich war damit beschäftigt, den Tod meines Bruders zu verkraften.
Es überhaupt zu glauben, dass das Wahrheit ist.
Ich habe mich nicht um Dich gekümmert. Nicht bemerkt, dass es Dir immer schlechter geht.
Ich war so eingesperrt in mir selbst.
Hatte zu tun, mit den beiden Mädels, mit mir und dann noch diese Fortbildung,
die ich zu einer Zeit geplant hatte, als ich noch „in der Spur“ lief.
Ich wollte sie doch auch machen, wollte, dass Du stolz auf mich bist.
Und dabei habe ich Dich übersehen ... nicht bemerkt ... wie sehr Du auf mich gewartet hast.
Verzeih mir bitte Papa!!!!
Dafür gibt es keine Entschuldigung.
Nein, nicht von Dir, niemals von Dir, Du hättest nie etwas gesagt!!!
Mama erzählte mir, dass Du mehrmals gefragt hättest, warum ich nicht komme.
Wieso ich Euch nicht besuche.
Noch heute höre ich den Satz Deiner Schwester in mir „du kommst ja immer zu spät“.
Sie und ihr Mann sie wollten 4 Tage vor Deinem Tod nicht glauben, wie schlecht es um Dich steht.
Haben mir bei dem Telefonat nicht geglaubt, dass sie Dich jetzt besuchen müssten, wenn sie Dich noch mal sehen wollen.
Ich hatte ihnen erzählt, dass ich mit dem Arzt gesprochen hätte.
Wirklich geglaubt haben sie mir nicht.
Sie waren entsetzt als sie Dich dann gesehen haben.
Ich weiß noch jenen Vorfall mit den Tabletten.
Ich sollte Dir Tabletten besorgen ... wollte aber doch bei Dir sein.
Jede Minute die möglich war wollte ich mit Dir verbringen.
Wahrscheinlich dachte ich, so etwas noch nachholen zu können.
Sie gab mir sofort Schmerztabletten für Dich, weil es ... Du solltest bekommen was Du wolltest ...
Ich kam zurück, war so stolz Dir zumindest jetzt helfen zu können. Dir einen Wunsch erfüllen zu können.
Du hast mich förmlich „zur Schnecke gemacht“. Das warst Du nicht, so kannte ich Dich nicht.
Alle standen da, Deine Schwester, ihr Mann, wir waren an jenem Tag zu fünft an Deinem Bett.
Und alle haben es gehört. Du wolltest die Tabletten nicht von der Klinik, weil Du dachtest die Ärzte gäben Dir dann später keine mehr.
Du wusstest nicht, oder wusstest Du doch und wolltest es uns nicht merken lassen?
... dass sie Dich aufgegeben hatten.
Mir kamen durch Deine Worte die Tränen, ich wollte nicht, dass Du siehst, dass ich wegen Dir weine.
Bin raus gegangen, ganz langsam.
Mama kam hinter mir her.
Sie sagte „reg dich nicht auf, er weiß nicht dass er dir damit weh tut.
Er hat Schmerzen und wird dadurch ungerecht.“
Sie sagte Du hattest gefragt was ich hätte.
Da meinte Mama „die ist raus, weil sie so lachen muss, weil du so schimpfst.“
Ich war und bin ihr noch heute dankbar dafür.
Sogar die Ärzte waren über Deinen raschen „Verfall“ überrascht.
Am Donnerstag den 10. sagten sie mir, dass es wahrscheinlich noch einige Monate so gehen würde,
Du aber nicht mehr nach Hause kämst
An diesem Tag hätte ich um 10 Uhr eine Prüfung schreiben sollen..... ich bin um 8 Uhr bei Dir in der Klinik gewesen.
Du solltest gerade zum Augenarzt gebracht werden. Aber Dir galt nur die Sorge was mit meiner Prüfung ist.
Es wurde festgestellt, dass Du auf dem einen Auge bereits blind bist.. Dass sie nicht wissen wie lange noch ... vielleicht einige Wochen ...
es war Freitag, der 11. Dezember!!!
Die Prüfung habe ich an diesem Tag nicht geschrieben.
Ich bin noch zur Schule gefahren, aber dort brach ich zusammen.
Ich wollte einfach nur bei Dir sein!
Es ging so schnell. Am 14. Dezember war ich den ganzen Tag bei Dir.
Am 13. waren noch Deine beiden „Madl´n“ da. Du hast Dich gefreut als Du die beiden gesehen hast.
Ich habe Dich im Stich gelassen.















